Female Voices
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Ela. – Im Interview
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Ela. – Im Interview

Ela. ist eine Songwriterin und Sängerin aus Berlin. Auf der Sarah Connor Tour war sie der Support. In der Leipziger Arena traf ich sie Backstage.

Frauen in der Musikszene?

Ela.: Die brauchen wir auch! Bestes Beispiel: Ich bin Autorin, Songwriterin und Sängerin. Es gibt eine Bewegung von Mädels, die anfangen zu provozieren, die sich auch trauen vorn zu stehen und selbst zu schreiben. Aber es ist im Vergleich zu den Männern an der Anzahl super wenig. Ich werde oft auf Songwriting Camps eingeladen. Dort sind ganz viele kreative Köpfe in drei, vier Räumen verteilt und schreiben Songs. Es ist eine coole Zeit, doch im Vergleich sind von 25 Leuten 20 Männer und 5 Frauen und das ist im Verhältnis echt krass. Womit hängt das zusammen? Ich denke mir dann, dass die meisten Producer Männer sind, weil sie technisch mehr Interesse haben. Aber das ist auch Quatsch, denn es werden immer mehr Girls Producer. Auch bei Festivals sind mehr Männer, genauso im Radio. Auch im Radio gibt es eine geringe Anzahl an Frauen, die gespielt werden. Gerne würde ich ein Gesetz rausbringen, dass es eine ausgeglichene Waage zwischen Männern und Frauen in der Musikszene gibt.

Ich glaube, wir bewegen uns in einem Fortschritt.

Ja! Als ich mit „Female Voices“ begann – ist noch gar nicht so alt – bemerkte ich, dass ich eine Nische ansprach, da mein Projekt so gut ankommt.

Ela.: Es ist nicht nur eine Nische. Es gibt generell wenige Plattformen für Musik. Schau Dir das Fernsehen an, es ist nur noch am Aussterben. Und Online wird auch immer stärker. Dann gibt es eh schon eine starke Männeranzahl im Vergleich zu den Frauen. Dann ist es super cool, wenn Du sagst: „Ey, ich stell mich jetzt dahin und ich mach das!“ Du featurest Frauen und ich finde das geil! Großen Daumen hoch!

Dankeschön! Ab wann kam für Dich überhaupt der Moment, dass Du Musikerin werden wolltest? Ab wann führte Dich der Ruf zur Musik?

Ela.: Ja, eigentlich schon immer! Ich komme aus einem Musikerhaushalt. Meine Mama war Opernsängerin und mein leiblicher Papa Gitarrist in der Ukraine, aber eher in der Rock-Szene. Deswegen war für mich schon immer klar, dass ich Musikerin werden möchte. Es gab auch nie was anderes für mich. Nur hatte ich einen Deal mit meiner Mama, weil sie meinte: „Kind, es kann immer was passieren, mach wenigstens das Abitur! Und dann kannst du machen, was du willst! Dann lasse ich dich auch nach Berlin. Aber nur, wenn du mir jetzt versprichst, dass du im Saarland Abitur machst!“ Nach dem Abitur bin ich nach Berlin gegangen.

Es wurde Dir also in die Wiege gelegt?!

Ela: Ja, ich wuchs damit auf und kenne auch nichts anderes. Es gibt ja auch Familienbetriebe, indem zum Beispiel der Papa Architekt ist. Da ist man mit am Zeichnen und bekommt einen visuellen Blick dafür. Ich glaube, man wächst da rein!

Spielt für Dich die Band ELAIZA noch eine Rolle? Oder bleibst Du erstmal solo unterwegs?

Ela.: Klar, spielen sie für mich noch eine Rolle. Wir sind auch Nachbarn. Wir haben zum Beispiel letztes Jahr in Afrika gespielt. Nur ist es in letzter Zeit so, dass wir uns vor eineinhalb Jahren von dem Label getrennt haben. Denn wir sind Musikerinnen und kommen aus der Kulturszene und dort wird unsere Musik mehr geschätzt und angenommen als im Label.  Wenn ein großer Konzern hinter einem steht und ständig Hits will, wir aber Musikerinnen sind und die Musik so entsteht, wie sie eben entsteht, dann kommt es zu Konflikten. Und dann wird sich unter Druck gesetzt. Alle sind unter Druck. Doch wir hatten ja einen weltweiten Hit. Wir bekommen immer noch Mails aus Brasilien, was echt krass ist! Und für mich ist ELAIZA das Wichtigste in meinem Leben. Es war wichtig, ist wichtig und bleibt auch wichtig! Es war auch ein Riesenschritt für mich, vor allem mit dem ESC. Es ist eben ein Komponistenwettbewerb und das vergessen so viele.  Für mich öffnete es damals als Songwriterin, mit Anfang 20, viele Türen. Denn ich stand als Komponistin und Künstlerin beim größten Komponistenwettbewerb weltweit. Danach ging es für mich *zack..zack..zack*. Dann habe ich so viel geschrieben. Wir durften so viele geile Künstler kennenlernen. Es eröffneten sich Welten. Deshalb feiere ich das und es ist sehr wichtig für mich. Sie sind meine Schwestern, meine Mädels. 

Und warum wolltest Du nicht Deine deutschsprachige Poesie bei ELAIZA anwenden?

Ela.: Ich schreibe zwar die Songs für und mit ELAIZA an einem Klavier. Aber die Mädels spielen eine super wichtige Rolle, weil sie mit ihren Instrumenten alles ändern würden.

Du bist polnisch-ukrainischer Herkunft. Du hast bestimmt eine spannende Einwanderungsgeschichte?

Ela.: Ich bin in der Ukraine geboren. Meine Mutter ist Polin und mein Papa Ukrainer, demzufolge bin ich zweisprachig groß geworden und mit acht Jahren bin ich mit meiner Mama nach Deutschland gekommen, da mein Papa verstorben ist. (Das tut mir leid!) Das war für uns in Deutschland ein Neuanfang. Ich hatte richtig großes Glück, integriert zu werden. Es war am Anfang sehr schwer, da ich die einzige Ausländerin im Dorf war.

Du arbeitest eifrig an neuen Songs. Wie lange braucht es, dem Song ela’nisches Leben, also Dein Leben einzuhauchen?

Ela.: Bei meinen Songs brauche ich nicht lange. Es gibt Songs, die habe ich in einer Stunde fertig, weil ich sie sofort fühle, wenn ich am Klavier sitze und direkt die Welt dazu habe. Bei manchen brauche ich einen Tag. Mir ist aber wichtig, dass ein Abschluss da ist.

Dein Debüt erscheint nächstes Jahr …

Ja, zum Valentinstag und es heißt „Liebe & Krieg“. Ich widme das Album ein bisschen meiner Familie, meinen Eltern. In dem Song „Liebe & Krieg“ geht es ja darum, dass ich es unfassbar schön finde, was man so auf sich nimmt, wenn man liebt. Und ich finde, dass meine Generation es verlernt hat zu reparieren. Wir sind in einer Konsumgesellschaft groß geworden, in der immer nur Neues gekauft wird oder der/die Partner/Partnerin passt nicht und in der Freundschaft ist es genau dasselbe. Meine Eltern haben mir nahegelegt, auch, wenn nicht alles bombig läuft und Sachen auf sich genommen werden müssen, die nicht so schön sind, nicht gleich wegzuschmeißen. Dadurch wächst man aneinander!  Das ist meine kleine Hymne und deshalb nannte ich das Album so.

Wie ist es jetzt für Dich, in verschiedenen riesigen Arenen aufzutreten, nachdem Du zuvor Clubkonzerte gegeben hast? Du bist es doch gewöhnt, oder?

Ela.: So gewöhnt ist man das nie. Mit ELAIZA kommen wir eher aus der kleinen Clubszene oder sogar aus der Kaffeekultur. Dann waren wir auf großen Festivals und bei mir ging es solo auch erstmal klein los. So eine krasse Plattform zu bekommen, ist ja schon der Wahnsinn. Zig Tausend Menschen vor Dir, die mitfühlen, mitsingen, mitwinken und voll dabei sind – es ist so geil! Es ist aber auch mega schön, in einem Club mit hundert Menschen eng zusammen zu sein und die Songs akustisch zu spielen.

Mir geht es aber nicht darum, in einer großen Halle zu spielen, sondern darum, Menschen zu erreichen. Es ist auch egal, ob es auf der Straße ist, in einem kleinen Club oder auf einer fetten Bühne.

Wie war Dein erster Arenen-Auftritt für Dich? Hattest Du großen Respekt davor? Oder Lampenfieber?

Ela.: Es war super aufregend! Für mich ist es so – Hauptsache, es klappt und alle fühlen sich wohl. Ich hatte nicht wirklich Lampenfieber, aber ich war wirklich aufgeregt. Da stellte ich mir vor, was alles schieflaufen könnte und bereitete mich drauf vor.

Und was machst du mit der gepuschten Energie danach? Konzerte sind sehr energetisch, also, was machst Du danach?

Ela.: Eine sehr schöne Frage. Ich gehe nach dem Konzert zum Merchandise-Stand. Da ich so viel Energie habe, möchte ich auch die Leute kennenlernen, die da unten standen und mitgesungen haben, denn das ist nicht selbstverständlich, schon gar nicht für mich als Support. Und dann stehe ich am Merch und höre die Geschichten. Dann kommen kleine Mädchen und sind aufgeregt, wenn sie vor mir stehen und Autogrammkarten möchten. Oder ein kleiner Junge, der super schüchtern war und ich ihn fragte, ob er ein Foto möchte und er schüchtern nickte. Das ist so schön! Es sind coole Geschichten, aber es gibt auch krasse dazu, wie ein Mädchen, die Knochenkrebs hat und zu mir sagte: „Ich habe Dich gehört und ich weiß nicht wie lange ich lebe, aber ich habe mir ein Ticket für nächstes Jahr gekauft, weil ich leben möchte! Ich möchte mir das ansehen!“

Ich sehe oft Deine Storys auf Facebook. Wie wichtig ist Social Network für Dich? Ja, ich stalke!

Ela.: Haha… Also Social Network ist super wichtig und die direkte Verbindung zu den Leuten. Es gibt in dem Moment nichts Besseres. Und ich finde es auch schön, wenn mir viele schreiben. Ich antworte auch so gut es geht und ich versuche, viel Einblick in meine kleine verrückte, kreative Welt zu geben.

Welche Bedeutung hat für Dich „ein Fan“?

Ela.: Das ist der Grund, warum ich Musik mache! Es gibt Menschen, die machen Musik für sich, aber ich verarbeite meine Sachen in Musik. Und es macht mich unfassbar glücklich, wenn es Menschen berührt, da es ihnen teilweise genauso geht wie mir und sie sich in meiner Musik wiederspiegeln. Und deswegen ist es mir egal, auf welcher Bühne ich stehe. Mir geht es darum, die Leute zu erreichen.

Als ich damals angerufen wurde und mir gesagt wurde, dass ich Support von Sarah Connor bin, da dachte ich nur noch … f**…f**…f** oh mein Gott! Dann rief mich der Produktionsleiter an und fragte, wer mein technischer Leiter ist. Ich habe nicht einmal ein Management! Alter Falter…! Wie sollte ich das alles regeln? Wie bekomm‘ ich das nur alles hin und dann stehe ich auf der großen Bühne und denke: YES! – Das ist der Grund!

Danke für das tolle Interview!

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