Manchmal erlebt man diesen seltenen Moment: Man geht auf ein Konzert, sieht eine Band erstmals live … und wird völlig überrascht. Ihr kennt das! Genauso geschah es im Leipziger Naumanns, als zalvox die Bühne betrat. Das Electronic‑Body-Wave‑Duo besteht aus dem Erfurter Soundtüftler Ribi und Sängerin Dorain aus Leipzig, deren Stimme den Songs eine markante, atmosphärische Tiefe verleiht.
Der Projektname zalvox geht auf die griechische Gottheit Zalmoxis zurück. Aus der ersten Silbe „Zal-“ und dem Verweis auf den zentralen Gesang „-vox“ entstand schließlich der heutige Bandname. Anfang Dezember 2024 veröffentlichten zalvox ihre EP „zalmoxis peak“, während parallel bereits an einem vollständigen Album gearbeitet wird, das später auch auf Vinyl erscheinen soll.
Für mich gehören zalvox auf große Bühnen… Das ist so! Umso mehr freute ich mich über die Zusage des Interviews:
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- Euer Auftritt im Naumanns war für mich ein besonderer Moment. Manchmal stolpert man zufällig über Musik, die einen sofort packt – und bei euch war genau das der Fall. Wie habt ihr diesen Abend erlebt, und was bedeutet euch die Resonanz, die ihr bekommt, seit eures Bestehens?
Ribi: Zuerst einmal ist es einfach nur schön zu erfahren, dass man mit seiner Musik auch für andere besondere Momente erschaffen kann bzw. hat. Der Abend im Naumanns bot ja nun wirklich unterschiedlichste Projekte bzw. deren Herangehensweisen sich musikalisch auszudrücken. Von daher sind solche Konzerte umso wertvoller, weil eben kein bestimmtes Szenepublikum ähnliche Stile beklatscht. Es war also ein besonders schönes Erlebnis. Die bisherige Resonanz seit unseren ersten Lebenszeichen gibt natürlich Kraft und Energie weiterzumachen, zumal wir bisher durchweg positive Reaktionen erfahren haben. Allerdings sind wir sehr selbstkritisch und erhalten uns dadurch auch die Dynamik innerhalb von zalvox.
Dorain: Der Auftritt im Naumanns war sehr schön und angenehm, in freundschaftlicher und entspannter Atmosphäre. Wir haben uns sehr gefreut, dass Sebastian „THON“ uns bei seiner „No more darkness“ EP record release Show mit dabeihaben wollte. Und es war auch toll die Jungs von LORNING kennenzulernen, mit denen wir uns auf Anhieb super verstanden haben. Zudem haben wir ein tolles Feedback vom Publikum bekommen, sowas ist natürlich immer besonders motivierend.
- Wann führte euch der Ruf zur Musik? Gab es einen bestimmten Moment, in dem klar war: Das ist mehr als ein Hobby, das ist der Weg? (Frei nach Mandalorian … hehehe)
Ribi: Einen bestimmten Moment gab es nicht. Es war ein recht langer Weg.
Musik machen wollte ich schon in den 80ern. Leider gab es in der damaligen DDR kaum Möglichkeiten für jemanden wie mich, der fasziniert von Synthesizern und Drum-Maschinen war. Die Geräte waren nur über Beziehungen oder den Gebrauchtmarkt erhältlich und kosteten dann so viel wie ein Auto. 1991, also nach der Wende, kaufte ich meinen ersten Synth und von da an ging es mit Experimentieren los. Ich nahm ein paar Tapes auf, die ich an Freunde verschenkte. Ende der 90er gab es vereinzelt Auftritte und ernster wurde es erst, als ich 2004 bei DESTROID (heute DSTR) als Live-Musiker einstieg. 2010 war das vorbei und ich bastelte danach als STATIC SKY größtenteils für mich. 2014 stieg ich bei LIEBKNECH, dem Techno/Electro Projekt von Daniel Myer (HAUJOBB, ARCHITECT, COVENANT), ein und zum ersten Mal erreichten meine eigenen Sounds und Sequenzen ein recht großes Publikum. 2023 gründeten Dorain und ich ZALVOX. Hier bin ich hauptsächlich für die Musik verantwortlich und Dorain für die Gesangslinien. Allerdings ist das Ganze immer ein offener Austausch und gemeinschaftlicher Prozess. Wenn Dorain Klänge oder Tonfolgen geändert haben möchte, oder ich Vorschläge zum Gesang habe, wird diskutiert, ausprobiert und natürlich auch überarbeitet bzw. korrigiert.
Dorain: Ich mache seit meiner Jugend Musik. Für mich war und ist es eine künstlerische Ausdrucksform, insbesondere das Singen, mit der ich am besten meine Emotionen und Gedanken nach außen transportieren kann. Das gehört einfach zu mir, ist quasi meine Leidenschaft. Angefangen habe ich als Bassistin in losen Alternative Rock Projekten und bei der Gothic-Rock Formation FORMFLEISCH, deren Sängerin ich später wurde. Danach zog es mich dann in eher elektronische Gefilde. So war ich u. a. beim Ambient-Darkpop-Projekt SUNDAY STRAIN als Sängerin aktiv und auch beim progressiven Electronic Wave Projekt FRAMHEIM. Vor ZALVOX sang und spielte ich ein bisschen Synth beim electronic doom wave Projekt RIGA.
- Euer Name hat eine ungewöhnliche Herkunft. Welche Bedeutung hat „zalvox“ für euch heute und über die Wortschöpfung hinaus?
Ribi: Ich finde es immer gut, wenn ein Bandname nicht zu viel erklärt. ZALVOX ist ein Kunstwort, entstanden aus dem Namen der Gottheit Zalmoxis und Vox für Stimme. Das bietet viel Spielraum für Interpretationen, egal ob man den Hintergrund kennt oder nicht und passt damit sowohl wunderbar zu Dorains mehrdeutigen Lyrics als auch zur Musik. Die Definitionen von Hörern gingen da schon von Electro Wave, Electropop, Cold Wave bis hin zu sogar EBM. Nichts davon trifft für mich wirklich zu. Und damit sind wir bei den Dingen, die oft schwer zu beschreiben sind, oder unterschiedlich wahrgenommen und gefühlt werden. Egal ob im Alltäglichen oder auf meinetwegen auch mystischer Ebene. Für mich ist zalvox der Versuch nie eindeutig zu sein, ohne dies bewusst zu wollen. Bisher funktioniert das.
- Ribi, wann kam die Eingebung, dass deine Kompositionen eine Stimme brauchen? Und wie hast du herausgefunden, dass Dorains Gesang genau das fehlende Element ist?
Ribi: Ich war schon über viele Jahre großer Fan von Dorains Stimme, ohne dass wir uns kannten. Viele ihrer Projekte spielte ich in meiner Radiosendung (Sehkrank, Radio F.R.E.I., Erfurt). Auch als wir uns dann persönlich kennenlernten, hatte es erst einmal niemand im Hinterkopf, es auch mal musikalisch zusammen zu probieren. Damals war ich gerade mit LIEBKNECHT unterwegs und da ging es um funktionierende Tracks, nicht um Songs.
Die Idee etwas gemeinsam zu machen, entstand ungefähr ein halbes Jahr später, im Sommer 2023. Ich schickte Dorain ein Instrumental und bekam einen fast fertigen Song zurück. An dem Punkt merkte ich, dass jemand wie sie, mit Gespür für tolle Gesangslinien und einer wunderbaren Stimme, aus meinen Tracks Songs entstehen lassen kann.
- Ja, ihr passt zusammen… Euer Sound wirkt dazu sehr durchdacht. Wie entsteht der zalvox‑Sound? Besonders das Intro, das ihr im Naumanns gespielt habt, wirkte unglaublich stimmig und auf den Punkt. Also, wie entwickelt ihr solche Momente, die noch Tage nach dem Auftritt haften bleiben?
Ribi: Es gibt keine Schablone oder sowas. Meistens programmiere ich erst einmal solange, bis irgendein Sound oder irgendeine Sequenz haften bleibt. Danach fange ich an darauf aufzubauen und zu schichten. Das kann manchmal mehrere Wochen dauern, weil ich, wenn ich nicht weiterkomme, das Ganze erst einmal ruhen lasse. Auch fange ich meistens nur mit einem Gerät an und versuche damit so weit wie möglich zu kommen. Kreativität funktioniert bei mir nur durch Reduktion. Das Intro z.B. entstand spontan mit zwei Geräten innerhalb einer Stunde in Dorains Homestudio kurz vor unserem Auftritt zum WGT. Es fühlte sich an, als würde es automatisch passieren. Diese Momente gibt es also auch.

- Eure erste EP ist Anfang Dezember 2024 erschienen. Welche Themen oder Stimmungen habt ihr darin verarbeitet und was war euch beim Sounddesign besonders wichtig?
Dorain: Das Thema bzw. die Stimmungen haben sich im Verlauf des Entstehungsprozesses ergeben. Generell zeichnet meiner Meinung nach den ZALVOX Sound aus, dass sich kühle, düstere, in Teilen schräge elektronische Instrumentals mit meiner eher warmen, emotionalen Stimme verbinden.
Ribi hat einige seiner Instrumentals mit weniger bekannten Gottheiten aus der griechischen Mythologie betitelt. Das fand ich wiederum für die Entwicklung der Lyrics inspirierend und habe das im weitesten Sinne thematisch aufgegriffen.
Ribi: Beim Sounddesign versuche ich gar nicht erst irgendetwas zu priorisieren. Allerdings habe ich für mich gemerkt, dass warme, analoge Sounds nicht zu zalvox passen. Jedenfalls nicht als Hauptanteil im Klangbild. Selbst wenn ich mit analogen Synths arbeite, klingen die Sounds am Ende immer etwas klinisch, kühl und leicht verstimmt. Dazu kommt dann noch meine Liebe zu Wavetable- und FM-Synthese. Immer etwas metallisch, leicht schmutzig unf erkennbar synthetisch. Die Stimmung des jeweiligen Instrumentals ergibt eigentlich erst, wenn der erste Sound oder die erste Sequenz steht und etwas in mir auslöst. Dazu kommt noch, dass ich fast ausschließlich nur nachts oder in abgedunkelten Räumen an Musik basteln kann. Außerdem bin ich großer Horror und Science-Fiction Fan, was sicher unterschwellig auch manchmal eine Rolle spielt.
- Ihr seid zu zweit, aber live wirkt ihr sehr raumfüllend. Was ist euch bei euren Konzerten besonders wichtig?
Dorain: Dankeschön. Es ist immer erfreulich zu hören, dass man auf der Bühne als 2 Menschen Projekt präsent wirkt. 🙂
Mir ist wichtig, dass ich mich bei Auftritten auf den Moment fokussieren und mich komplett in die Musik fallen lassen kann. Das funktioniert allerdings nur gut, wenn technisch alles passt, d.h. in erster Linie für Livesituationen, dass man sich gut hören kann und genügend Platz hat. Glücklicherweise traf das bisher auf die meisten unserer Konzerte zu.
Ribi: Mir ist wichtig, nicht nur mit einem Laptop und Midi-Keyboard auf der Bühne zu stehen. Ich arbeite im Studio mit Hardware, also auch live. Des Weiteren habe ich es lieber, wenn ich in Ruhe etwas im Hintergrund an meinen Geräten stehen und Dorain die Front überlassen kann.
- Welche Künstlerinnen oder Genres beeinflussen euch, ob bewusst oder unbewusst? Und gibt es Inspirationen, die man eurer Musik vielleicht gar nicht anhört?
Dorain: Das ist ein sehr breites Feld. Generell darf jegliche Form von Kunst, die mir zusagt und mich inspiriert, düster angehaucht sein. Musiktechnisch höre ich von Alternative Rock über Metal bis hin zu diversen Genres elektronischer Musik, Pop und ab und an auch Jazz oder Blues, fast alles. Es muss einfach gut gemacht sein. Darüber hinaus lese ich viel und bin auch da genretechnisch breit aufgestellt. Filme und Serien haben auch einen großen Einfluss als Inspirationsquelle. So hat mich z. B. die Serie „Kaos“ (britische düstere Comedy Serie, die einen Teil der griechischen Mythologie neu interpretiert) zu dem einen oder anderen Songtext inspiriert.
Ribi: Zuallererst bin ich großer Fan elektronischer Musik. Wenn ich jetzt anfangen müsste einzelne Künstler, Projekte oder Bands aufzuzählen, dann würde ich wohl kein Ende finden. Ich habe bereits in den 70ern bewusst Musik gehört und mir meine Neugier bis zum heutigen Tag erhalten. Da ist die Liste mittlerweile sehr lang geworden. Ein paar Genres kann ich vielleicht nennen. Ambient, IDM, Dubstep, Synthpop, Industrial, Trip-Hop, Drum and Bass, EBM, Techno, Electro und eben auch vieles dazwischen. Das ich u.a. auch WIRE, DAVID SYLVIAN, COCTEAU TWINS, BRYAN FERRY oder THE SOUND mag, hört man unserer Musik wahrscheinlich nicht an.
- Ihr kommt aus Erfurt und Leipzig. Wie prägen diese Städte eure Musik oder eure Arbeitsweise?
Ribi: Erfurt ist eine alte, niedliche und wohl auch schöne Stadt. Unter der Oberfläche und eben genau dort, wo ich mich bewege, wird es allerdings zunehmend unangenehm und gefährlich. Weit über 30 Prozent möchten eine gesichert rechtsextreme Partei wählen. Angriffe auf Kunst, Kultur und alles, was nicht in die Zigarrenkistenwelt dieser Evolutionsirrläufer passt, häufen sich. Es könnte also durchaus sein, dass diese bedrohliche Lage auch einen gewissen Einfluss auf meine Musik hat.
Dorain: Ich glaube durch Internet / Social Media und die Möglichkeit auf unterschiedlichste Arten miteinander zu Kommunizieren und Daten auszutauschen, ist der Standort nicht ganz so entscheidend, für das kreative Schaffen.
Aber Leipzig bietet zum Glück auch noch immer im alternativen Bereich viel Kunst und Kultur und gleichgesinnte Menschen. Das ist sehr schön, natürlich spannend und inspirierend.
Darüber hinaus leben wir in düsteren Zeiten. Vor dem Elend dieser Welt und den abstrusen Auswirkungen des Schaffens von Menschen mit, nett formuliert, fragwürdigem ideologischen Hintergrund, kann man sich nirgendwo mehr verstecken.
- Allerdings… Ihr arbeitet bereits an einem Album, das auf Vinyl erscheinen soll. Was könnt ihr über die Richtung verraten? Was steht noch für 2026 an?
Ribi: Da wir wie oben erklärt keine spezielle Richtung verfolgen, werden unsere Songs wohl elektronisch-zalvoxianisch bleiben. Wer uns bis jetzt mochte, wird das sicher auch weiter tun.
Ansonsten werden wir 2026 einige Konzerte spielen. So z.B. am:
- 02. in Leipzig (Tanzcafé Ilses Erika) zusammen mit VISCOUS
- 03. in Berlin (Heilig-Kreuz-Kirche) mit TC75, AKTION FIASKO und DAS ICH
- 03. abermals in Berlin (Urban Spree) mit END OF TRANSMISSION und KLANGSTABIL
Danke für das tolle Interview und eure Zeit!
Wertvolle Links:
- Bandcamp: https://zalvox.bandcamp.com/
- Instagram: https://www.instagram.com/zalvox__
Titelbildfotos: Mario Kraus

