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Bad Ida – Ending Things
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Austrian Diamonds Reviews Vinyl

Bad Ida – Ending Things

Es gibt Platten, bei denen einem die Worte fehlen, deren Beschreibung fast unmöglich scheint. So ergeht es mir mit dem zweiten Album „Ending Things“ von Bad Ida, Wiens aufleuchtendem Fixstern zwischen Garage Soul und modernem RnB. Diese Band verwebt Soul, Pop‑Rock und Blues so selbstverständlich miteinander, als wäre dieser Sound schon immer in der Stadt zuhause gewesen. Und Ines Dallaji steht im Zentrum dieses Klangkosmos, mit einer Stimme wie ein aufbrechender Vulkan, die den dramatischen Flair des Albums glühend herausfordert.

Auf „Ending Things“ bleiben Bad Ida ihrem charakteristischen Sound treu, der emotional, kraftvoll und kompromisslos ehrlich ist. Inhaltlich spannt das Album einen Bogen zwischen persönlicher Selbstbehauptung, gesellschaftlicher Beobachtung, Verletzlichkeit und der Suche nach Echtheit in einer zunehmend oberflächlichen Welt.

Das prachtvolle Album startet mit einer klaren Botschaft der Selbstbehauptung. „Don’t Say Goodbye“ ist ein Aufruf, sich nicht kleinmachen zu lassen und den eigenen Wert endlich anzuerkennen. Der Song richtet sich gegen all jene Kräfte, die ausbremsen, zermürben oder vereinnahmen wollen, und setzt stattdessen auf Selbstschutz und solidarische Verbundenheit mit einem empowernden Versprechen: Man darf sich retten, ohne sich selbst oder das Gute im eigenen Leben aufzugeben.

Auf „Red Flags“ umarmt die Band die Erde und möchte am liebsten den darin existierenden Menschen wachrütteln. Dieser kraftvolle Song ist gegen Ignoranz, Selbstsucht und kollektives Wegsehen und vertont die dringende Notwendigkeit des Wandels. Dazu thematisiert Bad Ida die drängenden Probleme unserer Zeit, wie Umweltzerstörung und gesellschaftliche Gleichgültigkeit, und drückt die Frustration darüber aus, dass viele Menschen die alarmierenden Zeichen – die roten Fahnen – nicht erkennen oder ignorieren.

„Age of Likes“ legt offen, wie schnell aus vermeintlicher Nähe in sozialen Medien ein kalter Wettbewerb um Aufmerksamkeit wird. Inhaltlich zeigt dieser die Verletzlichkeit eines Menschen, der echte Verbindung sucht, aber an der Logik von Likes und Oberflächlichkeit scheitert. Gleichzeitig wird der Wunsch nach einem Ende dieses Systems formuliert, das echte Gefühle verzerrt und Beziehungen in Zahlen verwandelt.

Der Song „I Still Miss You“ erzählt von einer Liebe, die selbst nach Jahren weiterwirkt, weil der Verlust unausgesprochen zwischen den Zeilen weiterlebt. Am Ende bleibt ein leiser, schmerzhafter Widerstand gegen die Endgültigkeit, der sich in Bildern von Distanz, einem Marmorstein und verweigerter Akzeptanz verdichtet.

In „Fear“ entfaltet Ines ihre Stimme wie eine Kraft, die sich nicht länger einschüchtern lässt. Sie stemmt sich gegen die lähmende Macht der Angst und formuliert eine Botschaft, die ebenso an ihr Publikum, wie an sie selbst gerichtet ist: „Fear must no longer be reigning over you“. Der Song wird damit zu einem Weckruf, innere Fesseln abzuwerfen, das Versteckspiel zu beenden und den eigenen Mut endlich sichtbar werden zu lassen.

Den kraftvollen Abschluss bildet „Ending Things“ und widmet sich der Angst vor dem Ende, das dennoch notwendig ist, um zu wachsen und neue Wege einschlagen zu können. Der Song erinnert daran, den eigenen Wert nicht aus den Augen zu verlieren und sich nicht selbst zu verlieren, nur um jemand anderem gerecht zu werden. Er ruft dazu auf, sich von Beziehungen zu lösen, die verletzen oder keine Liebe erwidern, um damit Raum für etwas Wahrhaftiges zu schaffen.

Trotz aller inneren und äußeren Kämpfe zieht sich ein Gedanke, wie ein roter Faden durch das Album: Das Ende von Dingen mag schmerzen, doch genau darin liegt die Möglichkeit für Wachstum und einem echten Neubeginn. Es ist ein Werk, das dazu ermutigt, mit Hoffnung, Selbstachtung und Mut weiterzugehen und sich nicht davor zu scheuen, alte Häute abzustreifen. Bad Ida widmet dieses Album den Achtsamen, den Fürsorglichen und all jenen, die wissen, was es bedeutet zu kämpfen – und beeindruckt zugleich damit, wie kraftvoll Ines Dallaji ihre eigene Stimme erhebt, um einen den bitternötigen Tritt in den Allerwertesten zu verpassen.

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