Mit ihrem neuen Album „Rituals“ zeigt sie eindrucksvoll, wie psychedelischer Dream Pop zu einer eigenen Sprache wird. Ihre Songpoesie ist elliptisch und atmosphärisch, voller Bilder, die sowohl Gefühle als auch konkrete Situationen transportieren. Charlie Risso arbeitet mit einer Mischung aus Melancholie und dramatischer Intensität, sodass ihre Musik klingt, als würde man durch Nebel laufen und gleichzeitig einer Geschichte lauschen.
Der Opener „Bad Instinct“ ist die perfekte Einführung in die Atmosphäre des Albums. Er zieht einen sofort in seine düstere Stimmung hinein. Der Song strahlt wie ein wärmendes Licht, das in einen dunklen Raum fällt und den Blick unweigerlich fesselt. Entstanden ist er an einem Ort, an dem der Impuls lauter sprach, als es die Vernunft je getan hätte.
Im zweiten Stück „No One Knows“ zeichnet sie das Porträt einer emotional unzugänglichen Person. Jemand, der sich entzieht, der nicht weiß, wie man geliebt wird, und dennoch eine tiefe Sehnsucht nach Verbindung in sich trägt. Es ist das Bild eines Menschen, der sich selbst verloren hat und sich bewusst zurückzieht.
Im vierten Song, „When You Finish Me“, einem Cover von The Black Heart Procession, öffnet Charlie Risso einen noch dunkleren Raum. Das Stück gleicht einem flackernden Moment zwischen Hingabe und Auflösung, ein leises Beben, das sich nicht entscheiden kann, ob es Nähe sucht oder sich bereits verabschiedet. Während das Original schwer und gebrochen klingt, verwandelt sie es in etwas Zartes und Gespenstisches.
Die darauffolgende titelgebende Single „Rituals“ baut sich auf wie ein inneres Feuer, in dem Licht und Dunkelheit ineinander übergehen. Die Rituale tragen eine stille Hoffnung, doch ihre Wirkung verblasst, sobald sich der Himmel blau verfärbt. Am Ende bleiben nur die verlorenen Geister und das feine Beben einer Wahrheit, die sich nicht festhalten lässt.
Für ihr neues Album holte sich Charlie Risso Unterstützung von Brian Lopez (Calexico). In „Let’s Move Somewhere Else“ harmonieren seine samtige Stimme und die charakteristische Gitarre und eröffnen einen Horizont, der aus kreativer Komplizenschaft und gemeinsamer Entdeckung entsteht. Ihre Stimmen fügen sich in diesem Stück mühelos ineinander.
„Free to Leave“ ist so ein Song, der sofort zündet. Er besitzt diese Mischung aus Wut, Klarheit und Befreiung, mit einem Hauch von bitterem Humor, der sitzt. Dieses Trennungslied reißt die Tür auf und sagt: „Geh. Da ist der Ausgang. Viel Glück. Und nimm deinen Schatten mit!“
Als beeindruckendes finales und dazu rein instrumentales Stück nimmt Charlie Risso die Hörenden mit ins Herz eines Streuners. „Stray Dog“ wirft einen letzten Blick über die Schulter, bevor die Nacht die Welt verschluckt. Ein Schatten auf vier Pfoten streift durch die Stille, als trüge er Geschichten in sich, während er sich lautlos über nasses Kopfsteinpflaster bewegt. Dieses Wesen gehörte einst jemandem, oder es bleibt sich selbst überlassen und sieht weiterhin alles. Sein Atem ist der Wind, sein Herz ein fernes Pochen, und in seinem Fell hängen Erinnerungen.
Der letzte Song des Albums ist ein Weitergehen, wie im wahren Leben. Ein streunendes Wesen, das nicht verloren, vielmehr frei im Nebel ist. Es hinterlässt eine Spur, die man nicht verfolgen kann, aber umso deutlicher fühlt. Aus dieser Spur wächst ein letzter Atemzug des Albums.
Dieses Album löst Wände auf; man gleitet hinein, ohne es zu merken, und plötzlich befindet man sich in einem Raum, in dem man spürt, dass man längst darin atmet. Damit gelingt Charlie Risso etwas Seltenes: Musik, die sich anfühlt wie ein vertrauter Schatten im Dämmerlicht. Denn wenn der letzte Ton verklungen ist, bleibt ein Gefühl zurück, das sich nicht benennen lässt.
*** Bei ihrer Musik drifte ich nicht weg, weil ich entfliehen will. Ich drifte weg, weil ich mich treiben lassen kann. Stets, wenn ich ihre Musik höre, fühle ich mehr, als ich verstehen kann. Ich lieb dieses Album sehr! Ich freu mich sehr auf das Konzert in Magdeburg <3
Wissenswertes:
CHARLIE RISSO Live:
23.4. Grevenbroich| Kaffee Kultus
24.4. Saarbrücken | Terminus
30.4. Wien | Haus der Musik
02.5. Berlin | Zimmer16
03.5. Hamburg | Stellwerk
08.5. Magdeburg | Volksbad Buckau
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