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Aniqo – Birth
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Aniqo – Birth

Aniqo ist eine Dream Pop Künstlerin aus Berlin, die ihre Songs in Unvergänglichkeit wiegt. Dazu zeugt ihre Musik von einer reichhaltigen Vielfalt, die gedankenlos genossen werden kann. Das Debüt „Birth“ weilt in komplexer Schönheit, die eingängig ist sowie eine schlagende Symphonie in sich trägt. Zugleich birgt ihre Musik einen authentischen Tiefgang, worin stärkende Botschaften zwischen den Zeilen verpackt sind, die zum Nachdenken anregen.

Das Artwork zeigt ihr Portrait, das mit breiten Pinselstrichen aus Ölfarben verwischt wurde. Gesanglich wie auch musikalisch erinnert sie an Marianne Faithfull, Patti Smith, PJ Harvey und an Els Pynoo (Vive la Fete), ebenso lugt eine Hildegard Knef hervor.

Für was das Album steht, erzählt Aniqo auf ihren Kanälen: „‘BIRTH‘ steht für das Kind, das in mir lebt, … für das Kind, das ich verloren habe, die Geburt von allem, was vergangen ist und was kommen wird, die Auferstehung, die tägliche Verwandlung, die Wahl zwischen Gut und Böse, das Licht, die Dunkelheit und die Hoffnung, die dich trägt, rettet und umarmt.“

Im ausdrucksstarken Opener „Vive Libre“ wird nach einem harten Kampf das Ziel sehnsüchtig erreicht. Das Stück strahlt ein enormes Freudenfeuer aus, um das gerne getanzt werden darf. „Nach Erschöpfung folgt Leben!“, lautet die triumphale Message.

„Balance“ ist, wie es der Name sagt, eine transformative Ballade, welche das mentale Gleichgewicht beschreibt, die es zu bestreben gilt. Die Botschaft des ausbalancierten Songs vermittelt die Dämonen zu verjagen, aber auch, dass jeder für seine Haltung sowie für die innere Heilung selbst verantwortlich ist.

Im immer tief sinkendenden zugleich schwebenden „Deep Sea Fish“ verliert Aniqo sich im unendlichen Gewässer und wird eins mit dem kühlen Nass. Hierbei geht es um nicht-enden-wollende Erkenntnisse, die aus der Seelentiefe hervorgehen.

In „Must Surrender“ triftet der menschliche Geist zum roboterhaften Dasein ab, welches einem stupiden System nachgeht. Unsicherheit und Kontrolle hindern am Loslassen, wobei das Bestreben nach Freiheit und Glückseligkeit nie ruhen und rasten sollte.

Die Single „Fear“ zeigt eine Auseinandersetzung verschiedener Ängste auf. Auch, dass jene uns im Vorankommen hindern können. Der Song verdeutlicht, dass ihre Lieder funktionieren. Denn trotz der düsteren Sehnsucht werden Momente mit Licht erfüllt.

Aniqo gelingt die Vollkommenheit zwischen Schmerz und Triumph in ein facettenreiches Seelenalbum zu vereinen, die zu uns gehören. „Birth“ ist ein zartfließendes düsteres Manifest, welches einem hübschen Nachtfalter gleicht, der um eine Lichtkugel flattert, weil die Anziehungskraft des silbernen Glanzes magisch ist. Und während dem Nachtfalter zugeschaut wird, lädt ihre Musik zum Fortträumen ein.

*** Ihr Debüt „Birth“ wurde veröffentlicht, kurz bevor das Bombardement die Welt voller Entsetzen in Atem hielt. Als hätte die Menschheit nicht schon genug mit der schnell verbreiteten Krankheit zu kämpfen, legt noch jemand eine Schippe drauf. Umso mehr ist es von hoher Bedeutung die Welt mit Musik zu füllen, die die Ventile öffnen, um wieder, selbst wenn es nur für einen kurzen Moment ist, (auf)-atmen zu können.


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