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Interview mit Caitlin Stokes (CORLYX)
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Interview mit Caitlin Stokes (CORLYX)

CORLYX haben mich auf dem Stella Nomine Festival schwer beeindruckt. Vor allem Frontfrau Caitlin Stokes besaß eine Ausstrahlung, der man sich nur schwer entziehen konnte. Irgendwo zwischen Batcave-Ikone, Vampirin und Rock-Star bewegte sie sich mit einer Selbstverständlichkeit über die Bühne, als wäre genau dies ihr natürliches Element.

Eigentlich wollte ich mit Caitlin Stokes über CORLYX, die Goth-Szene, KI und die Herausforderungen des modernen Musikgeschäfts sprechen. Doch während des Interviews kristallisierte sich ein anderes Thema als emotionales Zentrum des Gesprächs heraus: ihr Leben mit dem Marfan-Syndrom. Ich war ergriffen, dass jemand mit einer solchen Offenheit, Klarheit und Gelassenheit über Schmerz, Vergänglichkeit und die eigenen Grenzen spricht. Hinter der charismatischen Frontfrau, die über die Bühne flattert, steht ein Mensch mit einer bemerkenswerten Geschichte, großer innerer Stärke und einer Lebensphilosophie, die noch lange in meinem Kopf nachflattern wird.

  • Ich habe euch auf dem Stella Nomine Festival erlebt und war sofort von eurer Bühnenpräsenz gefesselt. Caitlin, du besitzt eine enorme Ausstrahlung, und die gesamte Band wirkte auf mich wie Rock’n’Roll-Stars. Auf der Bühne scheint bei euch einfach alles zusammenzupassen. Wie habt ihr euch gefunden, und wie wichtig ist dieses Zusammenspiel aus Musik, Auftreten und Ästhetik für CORLYX?

Vielen Dank für das liebe Kompliment. Ich glaube, dass die Band mit unserem Live-Schlagzeuger nun ihre endgültige Form gefunden hat. Vielleicht war es sogar schon immer so vorgesehen.

Brandon Ashley und ich haben ursprünglich als Darkwave-Duo angefangen. Gleichzeitig hatten wir aber schon immer eine starke Rock-Energie, besonders auf der Bühne. Obwohl unsere Musik größtenteils elektronisch geprägt war, bringen wir beide einen Hintergrund mit, der stark vom Rock beeinflusst ist, und das hört und sieht man auch.

Brandon liebt den Metal der 80er-Jahre, während ich eine große Leidenschaft für den Goth Rock der 80er habe. Mit unserem Bassisten Davide kam dann eine noch stärkere Post-Punk-Komponente hinzu, die sich besonders auf unserem letzten Doppelalbum Purple Pain bemerkbar machte. Allerdings war das immer noch ein Hybrid aus elektronischen und akustischen Elementen.

Heute sind wir eine vollwertige vierköpfige Band, und diese Goth-Rock- beziehungsweise Alternative-Rock-Energie ist deutlich spürbar. Wir entwickeln uns ständig weiter, und jede neue Phase fühlt sich für uns aufregend und kreativ erfüllend an.

Davide und unser Schlagzeuger Flow Toulman sind zudem enge Freunde von uns. Genau darauf haben wir gewartet, als wir darüber nachdachten, weitere Mitglieder in die Band aufzunehmen. Natürlich spielten auch finanzielle Aspekte eine Rolle. Als Solokünstler oder Duo auf Tour zu gehen, ist schlicht deutlich günstiger. Deshalb musste ich die Band erst an einen Punkt bringen, an dem wir Booking-Gagen erzielen können, die eine komplette Live-Besetzung überhaupt ermöglichen.

Aber ja: Alle verstehen sich großartig, wir mögen uns wirklich sehr, und die Chemie innerhalb der Band ist nahezu perfekt. Vielleicht ist genau das der Grund, warum diese Verbindung auch auf der Bühne so deutlich sichtbar wird.

Caitlin Stokes auf dem Stella Nomine Festival 2026
  • Caitlin, du hast eine erstaunliche Bühnenpräsenz. Empfindest du diese Präsenz als etwas, das bewusst erschaffen wurde, oder war sie schon immer Teil deiner Persönlichkeit?

Das freut mich wirklich zu hören. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht so genau, woran das liegt. Ich habe einfach eine großartige Zeit auf der Bühne. Ich liebe es, aufzutreten, verliere mich völlig in den Songs und liebe unsere Musik. Nichts davon ist gespielt oder inszeniert, wir genießen einfach den Moment.

Wir verwenden nicht einmal In-Ear-Monitoring. Natürlich hilft das dabei, sauberer zu singen und timingtechnisch präziser zu sein. Aber es nimmt einem auch ein Stück des direkten Live-Gefühls innerhalb der Band. Mir ist es wichtiger, den Moment zu leben und die gemeinsame Energie zu spüren, als perfekt zu sein.

Und außerdem bin ich Löwe, habe sogar am selben Tag Geburtstag wie Madonna. Vielleicht hat das ja auch etwas damit zu tun.

  • … möglich… Viele Bands sprechen davon, auf der Bühne zu einer Art zweitem Ich zu werden. Wie viel von der Caitlin auf der Bühne ist die gleiche Person, die zuhause auf dem Sofa sitzt?

Ich würde bei mir persönlich nicht von einem Alter Ego sprechen, weil das auf der Bühne tatsächlich mein echtes Ich ist, wenn auch vielleicht in einer etwas verstärkten Form.

Natürlich laufe ich nicht jeden Tag mit vollem Make-up und perfekt gestylten Haaren herum. Aber ich bin auch im Alltag ein recht glamouröser Mensch. Ich liebe diese dunkle, elegante Ästhetik, und sie hat einen großen Einfluss auf mein seelisches Wohlbefinden. Deshalb gebe ich mir jeden Tag, an dem es möglich ist, bewusst Mühe.

Schönheit und Ästhetik sind für mich wichtige Quellen der Inspiration und Energie, und genau dieses Gefühl versuche ich auch in unsere Liveshows zu tragen.

Letztlich liebe ich es einfach, auf der Bühne zu stehen. Ich genieße jeden Moment dort oben, und das Publikum sieht mir dabei zu, wie ich etwas tue, das ich von ganzem Herzen liebe.

  • Als Frontfrau steht man oft stärker im Fokus als die übrigen Bandmitglieder. Welche Erfahrungen hast du mit den Erwartungen gemacht, die speziell an Frauen auf der Bühne gerichtet werden?

Jeder Künstler kann Sinnlichkeit und Glamour auf die Bühne bringen. Ich denke, Frauen tun das vielleicht häufiger als Männer. Gleichzeitig waren einige der besten Performer überhaupt sehr androgyn und haben bewusst mit femininer Ästhetik und Glamour gespielt.

Ich schminke übrigens auch meine Jungs in der Band, und sie lieben mein Styling. Auf der Bühne ist meiner Meinung nach alles erlaubt. Wenn jemand besonders provokant oder sexuell auftreten möchte, kann er das tun, und das Publikum hat wahrscheinlich seinen Spaß daran. Das ist allerdings nicht wirklich mein Stil.

Selbst wenn ich etwas Freizügigeres trage, bleibt meine Art aufzutreten eher elegant und stilvoll.

Die eigentlichen Herausforderungen für Frontfrauen finden meiner Erfahrung nach eher hinter den Kulissen statt. Es gibt nach wie vor viel Sexismus und Situationen, die sich unsicher anfühlen können. Man arbeitet in der Musikbranche oft mit deutlich mehr Männern als Frauen oder nicht-binären Menschen zusammen. Deshalb muss man wachsam bleiben und manchmal auch klar Nein sagen, wenn sich etwas übergriffig oder unangenehm anfühlt.

Inzwischen bin ich allerdings an einem Punkt in meinem Leben angekommen, an dem ich solche Situationen schon von Weitem erkenne. Ehrlich gesagt kann mich heute kaum noch etwas überraschen.

Ich würde aber auch sagen, dass die Musikindustrie in dieser Hinsicht insgesamt deutlich besser geworden ist. Trotzdem gibt es noch immer Raum für weitere Verbesserungen.

  • Von den USA über Großbritannien bis nach Italien, wo du heute lebst: Was hast du aus den einzelnen Stationen mitgenommen, und warum fühlt sich gerade Italien wie dein Zuhause an?

Eigentlich sind wir zunächst von Los Angeles nach Berlin gezogen. (***Oh wow!) Dort haben wir unser erstes Album aufgenommen, und diese Zeit hat uns als Künstler enorm geprägt und verändert.

Nach etwa drei Jahren wurde uns allerdings klar, wie wichtig es wäre, Deutsch zu lernen. Gleichzeitig hatten wir durch die Band und unsere Projekte einfach nicht die Zeit, regelmäßig Sprachkurse zu besuchen. Deshalb beschlossen wir, nach Brighton in England zu ziehen.

Dort haben wir uns ebenfalls sehr wohlgefühlt. Brighton ist eine fantastische Stadt mit einer unglaublich lebendigen Musikszene und vielen kreativen Menschen. Wir sind auch heute noch oft dort, zumal unser Schlagzeuger ganz in der Nähe lebt.

Brandon stammt ursprünglich aus Turin in Italien. Als es in der Familie einige Angelegenheiten zu regeln gab, verließen wir das Vereinigte Königreich, um zu helfen. Doch als wir erst einmal hier waren, merkten wir schnell, wie gut dieser Lebensstil zu uns passt, gerade jetzt, wo wir etwas älter geworden sind.

Der Wein, das Essen, die Geschichte, die wunderschöne Natur und natürlich die Sonne machen Italien zu einem ganz besonderen Ort. Es ist nicht leicht, einen solchen Platz wieder zu verlassen. Deshalb sind wir im Moment hier, genießen das Leben und fühlen uns sehr wohl.

  • Du hast mir erzählt, dass du mit dem Marfan-Syndrom lebst und dass wir darüber sprechen können. Viele Menschen wissen vermutlich gar nicht, was das bedeutet. Welche Rolle spielt diese Diagnose heute in deinem Leben, und hat sie deinen Weg als Musikerin beeinflusst?

Ich freue mich sehr, dass du mich das fragst, denn darüber kann ich nur selten sprechen.

Das Marfan-Syndrom ist eine Bindegewebserkrankung, die praktisch den gesamten Körper betrifft: mein Skelett, meine Organe, die Haut, die Augen und sogar das Gehirn. In gewisser Weise ähnelt es dem Ehlers-Danlos-Syndrom, allerdings zeigt sich Marfan meist schon sehr stark in der Kindheit. So wurde bei mir beispielsweise bereits mit zwölf Jahren eine Skoliose-Operation durchgeführt, während die Symptome von Ehlers-Danlos häufig erst später im Leben auftreten.

Ohne zu sehr ins Medizinische abzudriften: Die wichtigste Lektion, die ich durch meine Erkrankung gelernt habe, ist, dass Selbstfürsorge für mich oberste Priorität haben muss. Sie ist nicht verhandelbar. Wenn ich nicht auf mich achte, falle ich buchstäblich auseinander. Deshalb gehe ich sehr behutsam mit mir selbst um. Die Eleganz, die Menschen vielleicht an mir wahrnehmen, ist in gewisser Weise ein Nebeneffekt dieser Fürsorge.

Gleichzeitig lebe ich mit vielen Schmerzen. Allerdings bin ich sie so gewohnt, dass ich daraus kein Problem für andere machen möchte. Ich bin mir sehr bewusst, wie sich mein Verhalten auf die Menschen um mich herum auswirkt. Deshalb sage ich oft Nein zu Dingen, wenn ich weiß, dass sie mich körperlich überfordern würden. Das bedeutet manchmal auch, dass ich bestimmte Dinge, die andere erreichen können, nie erreichen werde, weil mein Körper diese Belastung einfach nicht zulässt.

Durch all das habe ich ein tiefes Verständnis für die Schönheit des Lebens entwickelt, aber auch für seinen Schmerz. Ich habe gelernt, im Moment zu leben und zu erkennen, dass Anderssein eine Superkraft sein kann, wenn man bereit ist, es als solche anzunehmen.

Wenn man mit einer Behinderung geboren wird, verbringt man sein ganzes Leben damit, zu verstehen, wie sehr die eigene mentale Einstellung einen stärken oder zerstören kann. Vielleicht bin ich deshalb besser auf diese Herausforderungen vorbereitet als Menschen, die zunächst ein gesundes Leben führen konnten und erst später eine Behinderung entwickeln. Ihnen wird eine Lebensqualität genommen, die sie kannten. Ich hingegen habe nie etwas anderes erlebt.

Doch Krankheit und Tod betreffen uns letztlich alle. Tatsächlich habe ich die durchschnittliche Lebenserwartung unbehandelter Marfan-Patienten bereits überschritten. Das verdanke ich der medizinischen Behandlung und der Tatsache, dass ich sehr gut auf mich achte. Trotzdem werde ich wahrscheinlich jünger sterben als die meisten Menschen. Und ich habe meinen Frieden damit gemacht.

Auf Purple Pain gibt es einen Song mit dem Titel „Death Is The Beginning“. Und genau das glaube ich auch: Der Tod ist nicht das Ende, sondern ein neuer Anfang.

Und ja, wenn ich auf der Bühne stehe, gehe ich oft über meine Grenzen hinaus. Ein Auftritt ist körperlich unglaublich anstrengend für mich, und danach leide ich oft sehr darunter. Aber es ist jede einzelne Sekunde wert. Für unsere Fans, aber auch für diesen Moment der reinen Ekstase, den ich beim Performen empfinde.

***Die Offenheit, der Lebensmut und die Selbstverständlichkeit, mit der Caitlin über ihre Erkrankung spricht, haben mich zutiefst beeindruckt. Ihre Antwort zeigt eindrucksvoll, dass wahre Stärke nicht darin besteht, keine Grenzen zu haben, sondern darin, zu lernen, mit ihnen zu leben.

  • Gibt es ein Album oder einen Künstler, bei dem du heute noch sagen würdest: „Ohne das würde CORLYX wahrscheinlich komplett anders klingen“? Und gab es bei CORLYX einen Schlüsselmoment, an dem plötzlich alles Sinn ergab, oder war die Entwicklung eurer Identität eher ein langsamer Prozess voller Irrwege?

Es fällt mir schwer, das auf nur ein Album zu reduzieren. Ich bin schon seit meiner Kindheit ein riesiger Musikfan, und meine Mutter war eine fantastische Musikerin mit einem ausgezeichneten Musikgeschmack.

All das hat CORLYX auf die eine oder andere Weise geprägt. In dieser Band haben wir beim Songwriting völlige kreative Freiheit, und genau deshalb erlauben wir uns, musikalisch so kreativ zu sein, wie wir nur können.

Zu meinen größten Einflüssen zählen aber sicherlich die ursprünglichen Goth-Bands der 80er-Jahre sowie die Grunge-Königinnen der 90er. Ohne diese Künstlerinnen und Künstler würde es CORLYX in der heutigen Form ganz sicher nicht geben.

Trotzdem fällt es mir unglaublich schwer, einen einzelnen Künstler oder ein bestimmtes Album herauszupicken, denn meine musikalischen Einflüsse sind dafür einfach zu vielfältig.

  • KI nimmt in der Musikproduktion einen immer größeren Raum ein, was mich ehrlich gesagt dezent ankotzt. Während manche das als Zukunft der Musik feiern, sehen andere darin eine Gefahr für Kreativität, Authentizität und echte künstlerische Ausdruckskraft. Wie siehst du das Ganze? Bereitet dir diese Entwicklung Sorgen? Was hält dich an der menschlichen Seite des Musikschaffens fest?

Ja, das bereitet mir große Sorgen. Tatsächlich spüren wir die Auswirkungen bereits bei unseren Streaming-Zahlen und unserer Reichweite.

Und ich fürchte, das ist erst der Anfang. Viele Bands werden es künftig deutlich schwerer haben, auf Musikplattformen überhaupt sichtbar zu werden, weil die schiere Masse an KI-generierten Inhalten die Systeme regelrecht überflutet. Besonders für neue Künstler und Bands dürfte das ein enormes Problem werden.

Wir hatten das Glück, bereits eine solide Fangemeinde aufzubauen, bevor die Situation wirklich kritisch wurde. Aber ich kann mir gut vorstellen, wie viel schwieriger es für neue Acts werden wird, sich Gehör zu verschaffen, je stärker dieses Problem zunimmt.

Ich bin kategorisch gegen den Einsatz generativer KI in kreativen Bereichen. Meiner Meinung nach sollte diese Technologie ausschließlich für medizinische Forschung und die Wissenschaft eingesetzt werden.

Für mich ist das Ganze schlichtweg eine Abscheulichkeit.

  • Viele Bands haben heute das Gefühl, gleichzeitig Musiker, Videoproduzenten, Content Creator und Influencer sein zu müssen. Wie blickst du auf diese Entwicklung? Ist Social Media mittlerweile notwendiges Übel oder eher eine Chance?

Oh ja, das kann ich gut nachvollziehen. Dieses moderne Zeitalter hat definitiv Vor- und Nachteile. Aber der ständige Hustle ist mittlerweile wirklich verrückt. Die Menge an Fähigkeiten, die ich mir aneignen musste, nur um als Musikerin bestehen zu können, ist enorm. Aber ist das unbedingt etwas Schlechtes? Für mich persönlich nicht, denn ich war schon immer ein neugieriger Mensch und eher eine Allrounderin. Wenn ich etwas sehe, ist mein erster Gedanke meistens: „Das könnte ich bestimmt selbst herausfinden.“ Und dann tue ich genau das.

Allerdings geht es längst nicht allen Menschen so, und deshalb habe ich großes Mitgefühl für viele Künstlerinnen und Künstler. Als ich in den 90er-Jahren angefangen habe, mich mit Musik zu beschäftigen, gab es all diese Anforderungen noch gar nicht. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob ich mich auf diesen Weg eingelassen hätte, wenn ich damals gewusst hätte, wie sehr sich alles verändern würde. Aber wir passen uns an.

Die positive Seite ist, dass es heute einfacher denn je ist, Menschen zu erreichen. Das ist der große Lichtblick. Viele von uns wissen, wie wertvoll das ist, und nehmen diese Möglichkeit keineswegs als selbstverständlich hin.

Mein Rat lautet: Geht euer eigenes Tempo. Macht Dinge selbst, wenn ihr könnt. Verschwendet nicht Unmengen an Geld, um mit professionellen Content Creatorn zu konkurrieren. Veröffentlicht das, was ihr veröffentlichen möchtet, dann, wenn es sich für euch richtig anfühlt. Versucht nicht, euch zu sehr unter Druck zu setzen, denn sonst brennt ihr irgendwann aus.

Ich selbst poste ständig wochenlang gar nichts. Und das ist völlig in Ordnung. Der Jagd nach Viralität hinterherzulaufen ist eine Falle. Sie ist vergänglich und auf Dauer nicht tragfähig. Bleibt lieber konstant, macht die Kunst und die Musik, die ihr machen möchtet, und schaut, wohin euch das führt.

Genauso halte ich es. Ohne Erwartungen.

  • Ich auch … Ich poste, wie ich Lust und auch Zeit habe… Wir beide sind tief in der Goth-Szene verwurzelt, und auf dem CORLYX-TikTok-Kanal greifst du regelmäßig Themen aus der Szene auf. Außerdem hast du mir einige Fashion Hot Takes versprochen. Also: Welche Trends in der alternativen Szene werden deiner Meinung nach völlig überbewertet? Meine persönliche Meinung: Dieses extreme Modern Trad mit aufwendigem Face-Painting ist mir etwas zu viel. Ich dürfte mir dabei niemals die Nase putzen.

Haha, nachvollziehbar. Ich bin mir nicht ganz sicher, wie sich „Modern Trad“ auf TikTok zu dem entwickelt hat, was es heute ist. Ich glaube, ein einziges Foto aus dem Batcave hat viele Leute davon überzeugt, dass das der klassische Trad-Goth-Look sei. Und selbst auf diesem Foto gibt es längst nicht all die aufwendigen Schattierungen rund um die Nase, die man heute überall sieht.

Viele alternative Make-up-Trends auf TikTok stammen eigentlich aus der Drag-Community, und dafür sollte diese meiner Meinung nach viel mehr Anerkennung bekommen.

Goths haben traditionell einfach reichlich Eyeliner getragen, dazu weiße Foundation und oft einen schwarzen Lippenstift. Gleichzeitig habe ich großen Respekt vor der Kreativität und dem handwerklichen Können, die hinter vielen dieser heutigen Make-up-Trends stecken. Ich bin also keine Haterin, es ist einfach nicht mein persönlicher Stil. Ich schminke mich im Grunde seit Ende der 90er-Jahre fast genauso wie heute und werde das nicht ändern, nur weil TikTok gerade etwas anderes vorgibt.

Mein eigentlicher Fashion Hot Take lautet: Wenn etwas Fast Fashion ist, dann ist es für mich weder alternativ noch wirklich Goth. Dann verkauft ein Unternehmen lediglich eine kopierte Ästhetik. So hübsch viele dieser Outfits auch aussehen mögen, irgendwo haben wir dabei den eigentlichen Gedanken verloren.

Gleichzeitig möchte ich niemanden dafür verurteilen. Ich verstehe, dass nicht jeder die Möglichkeit hat, Secondhand einzukaufen oder Kleidung selbst umzunähen und zu gestalten. Deshalb ist das kein Schwarz-Weiß-Thema. Diese Diskussion begleitet die Szene übrigens schon seit den 90er-Jahren, seit Läden wie Hot Topic populär wurden. Neu ist das also nicht.

Neu ist allerdings die schiere Anzahl an „alternativen“ Fast-Fashion-Marken, die es heute gibt. Als Szene sollten wir uns darüber durchaus Gedanken machen. Gleichzeitig sehe ich immer mehr unglaublich kreative Goth-Fashion-Accounts, die eigene Ideen und Inspirationen liefern. Das ist etwas, für das sich die Menschen meiner Meinung nach interessieren sollten. Ich habe den Eindruck, dass die Szene in dieser Hinsicht zunehmend bewusster wird.

  • Hat Social Media die Goth-Szene näher zusammengebracht oder ihr gleichzeitig etwas von ihrer Magie genommen?

Social Media hat die Subkultur zweifellos wachsen lassen, und das ist natürlich großartig für Bands und Veranstalter. Das ist die positive Seite der Entwicklung.

Gleichzeitig sind aber auch die Dramen und die toxischen Diskussionen innerhalb der Goth-Szene im Internet völlig außer Kontrolle geraten. Ehrlich gesagt ist das oft einfach nur nervig. Andererseits gilt das mittlerweile für viele Bereiche des Internets.

Subkulturen werden online früher oder später verfälscht oder verwässert, ganz egal, wie sehr wir versuchen, sie zu schützen oder zu kontrollieren.

Das Schöne ist jedoch, dass die realen Veranstaltungen und Clubnächte nach wie vor fantastisch sind. Die Menschen dort sind großartig, und die allermeisten kommen miteinander aus, lernen neue Freunde kennen und haben Spaß daran, sich in einem sicheren Umfeld auszudrücken.

Genau wie queere Clubs sind auch solche Orte unglaublich wichtig für all die Menschen, die sich ein wenig anders fühlen als die gesellschaftliche Norm.

Sie bieten Raum für Gemeinschaft, Freiheit und Selbstentfaltung. Und ich glaube, gerade deshalb sind sie heute wichtiger denn je.

  • Zum Abschluss: Worauf dürfen sich die Fans von CORLYX in der nächsten Zeit besonders freuen? Gibt es Pläne, über die du schon sprechen kannst?

Natürlich dürfen sich die Fans auf neue Musik und weitere Konzerte freuen.

In diesem Jahr stehen für uns noch zwei weitere Shows in Deutschland sowie ein letzter Festivalauftritt beim Plague Noire Festival auf dem Programm.

Und während ich diese Antworten gerade schreibe, arbeite ich außerdem an einer ganz besonderen Kollaboration mit einer echten Ikone der Goth-Musikgeschichte. Das ist für mich selbst kaum zu glauben.

Mehr darf ich im Moment noch nicht verraten, aber die Details folgen schon bald. Also haltet unsere Social-Media-Kanäle im Auge!


Und das könnt ihr hier:

  • Instagram: https://www.instagram.com/corlyx_official
  • Facebook: https://www.facebook.com/CORLYXOFFICIAL/
  • Stream Your Heart In The Serpents Mouth : corlyx.lnk.to/YourHeartInTheSerpentsMouth
  • Shop last record: corlyx.lnk.to/PurplePain
  • Pre-save The Holy Vampire: corlyx.lnk.to/theholyvampire

Wissenswertes:

  1. Oktober – Karlsruhe DE – P8
  2. Oktober – Bochum DE – Die Trompete
  3. November – Plage Noire Festival

***Danke für das bemerkenswerte Interview!


***English Version***

CORLYX left a lasting impression on me at Stella Nomine Festival. Frontwoman Caitlin Stokes, in particular, possessed a charisma that was impossible to ignore. Somewhere between a Batcave icon, a vampire, and a rock star, she moved across the stage with such ease that it seemed as though this was exactly where she was meant to be.

Originally, I wanted to talk with Caitlin about CORLYX, the goth scene, AI, and the challenges of the modern music industry. Yet throughout the interview, another subject gradually emerged as its emotional centerpiece: her life with Marfan syndrome. I was deeply moved by the openness, clarity, and serenity with which she spoke about pain, mortality, and her own limitations. Behind the charismatic frontwoman fluttering across the stage stands a person with a remarkable story, immense inner strength, and a philosophy of life that will continue to flutter through my thoughts long after this interview has ended.

  • I saw you perform at Stella Nomine Festival and was immediately captivated by your stage presence. Caitlin, you have an incredible charisma, and the whole band came across like genuine rock’n’roll stars. On stage, everything about CORLYX seems to fit together perfectly. How did you all find each other, and how important is this combination of music, performance, and aesthetics to CORLYX?

Thank you for the lovely compliment, I think with addition of our live drummer the band is at it’s final form, and maybe it was always meant to be this way. Brandon Ashley and I started off as a Darkwave duo, but we have always had this rock energy and sound especially live, even with having mostly electronic music, both of us have a very influential rock back background and that comes through. Brandon loves 80’s Metal and I love 80’s Goth Rock.

Then we added Davide our bassist and started getting even more Postpunk with the last double album we put out “Purple Pain”, but that was still a hybrid sound with acoustic and electronic presence, now we are a proper 4 piece and this Goth rock/Alternative energy is palatable, we are always evolving and each era is very exciting and creatively fulfilling for us.

Davide and our drummer Flow Toulman are very close friends of ours and that’s a big part of what we were waiting for when we were deciding to include other members, also financial reasons, it’s much more affordable to gig as a slo act or a duo, big time. I need to grow the band to garnish a suitable booking fee before adding a full live line-up. But yes, everyone loves each other, we all get along so well, the chemistry is perfection, and maybe that comes through on stage.

  • Caitlin, you have an amazing stage presence. Do you feel that this is something you’ve consciously developed, or has it always been a part of who you are?

That’s lovely to hear, well I’m not sure really, I’m just having an amazing time, I truly love to perform, I get lost in the songs, I love our music, none of it is an act, we are just vibing, we do not even use in ear monitoring, which yes keeps you on pitch better and timing better, but it removes the band from the live experience, and I’d rather be vibing than be perfect.

I’m also a Leo, with the same Birthday as Madonna, so that might be part of it

  • Many artists describe becoming a kind of alter ego when they step on stage. How much of the Caitlin we see performing is the same person who sits at home on the couch?

I wouldn’t say Alter Ego for me personally because it is genuinely me, but perhaps more heightened. I’m definitely not in full make up and hair everyday, however I’m fairly glamorous on the day to day. I really love dark glamour and my aesthetic greatly impacts my mental wellbeing so I make an effort every day that I’m able to. I thrive around beauty and I try to bring that to our live show. I just love being there and the audience is just watching me do something I adore.

  • As a frontwoman, you’re often in the spotlight more than the other band members. What experiences have you had with the expectations that are specifically placed on women performing on stage?

Any performer can bring sensuality and glamour to the stage, I suppose women, more often than men, are doing this, however I believe some of the best performers were very androgynous and embraced feminine glamour. I put makeup on my guys, they love my styling. I think on stage anything goes, if you want to be hyper sexual you can, the audience probably enjoys that, that’s not really me, even if I’m wearing something revealing or whatever, my delivery is chic.

The main issues front women face are behind the scenes, there’s a lot of sexism still and unsafe environments, you are working with more men than women or non-binary people, so you have to be on guard, and sometimes say no to things if it feels predatory. But I’m definitely at the point in my life I can see this coming from a mile away and nothing is that shocking to me anymore. I’d say the music industry has gotten a lot better with these issues but there’s always more progress to made.

  • From the United States to the United Kingdom and now Italy, where you currently live: what have you taken away from each of those chapters in your life, and why does Italy feel like home to you?

We left LA and went to Berlin actually first, we made our first record there and that was very life changing for us, as artists. But you know after 3 yeas we thought it was very important to learn German but we did not have the time for language classes so we decided to move to Brighton England, which we also loved, that city is amazing and full of musicians too. We go back and fourth a lot and our drummer lives nearby. Brandon is Italian from Torino, and we had some family stuff to deal with so we left the U.K. to come help out, but then the lifestyle here is such a nice pace for us now that we are older, the wine and food and history, the beautiful nature, the sun, it’s not an easy place to leave, so we are here for now, enjoying it.

  • You told me that you live with Marfan syndrome and that you’re comfortable talking about it. Many people probably don’t know what that means. What role does this diagnosis play in your life today, and has it influenced your journey as a musician?

I’m so happy you asked this because I never get to speak about this. Marfan is a connective tissue disorder and it affects everything, my skeletal system, organs, skin, eyes, brain….it’s similar to Ehlers Danlos syndrome, but it affects us severely as kids, I had my scoliosis surgery when I was I was 12, whereas ED symptoms comes later in life.

Without getting too medical, the main lessons I live by because of my condition is self care is my number 1 priority, it has to be or I fall to pieces. I take very gentle care of myself, and my perceived elegance is a side affect of that.

I also endure a lot of pain but I’m so used to it I do not make this anyone else’s problem, I’m very aware of how I affect others around me. I say no to many things if it’s going to be too much for me, and this also can mean maybe I can’t have what others can achieve simply because I physically cannot push myself.

I have a deep understanding of the beauty in life, the pain of life, how to live in the moment, and how being different than others can be a superpower if you allow it to be.

Being born disable you get a lifetime to understand how the mental aspect can make or break you, so I’m perhaps more well adjusted than people who lived normally and developed a disability later in life because their quality of life was taken away, whereas mine never existed.

But sickness and death comes for us all, I already outlived my average age life expectancy for untreated Marfan people, because I am treated and I take excellent care of myself. However I will die younger than most, and I am okay with this. I wrote a song on Purple Pain called “Death is The Beginning” and I do feel this is true.

And finally yes, when I perform I push too much, it’s indeed very physical, I suffer a lot after, but it’s worth it, every single ounce of it, for our fans and for the moment of pure ecstasy I feel while I’m performing”.

***Caitlin’s openness, resilience, and the calm, thoughtful way she speaks about her condition left a profound impression on me. Her answer is a powerful reminder that true strength is not the absence of limitations, but the ability to embrace them and still live life with passion, purpose, and grace.

  • Is there an album or artist that makes you think, „Without that influence, CORLYX would probably sound completely different today“? And was there a defining moment for CORLYX when everything suddenly clicked into place, or was your identity shaped through a slower process of trial, error, and discovery?

Hard to narrow it down to 1 record, I have been such a music fan from very young, and my mother was an amazing musician and had excellent taste in music. I think this all affected Corlyx, with this band we have full creativity over the songwriting, so we get as creative as we possibly want, but probably my top influential artists are the OG Goth bands from the 80’s and the grunge queens from the 90’s, without them we wouldn’t exist for sure, but incredibly hard to pinpoint one artist or record

  • AI is taking up an ever-growing space in music production, which, to be honest, annoys me a little. While some people celebrate it as the future of music, others see it as a threat to creativity, authenticity, and genuine artistic expression. How do you view this development? Does it concern you? And what keeps you connected to the human side of making music?

Yes it’s very concerning in fact it’s already affecting our streaming audience. This is just the beginning too, I’m afraid a lot of bands won’t be able to get visibility on music platforms because of the sheer volume clogging up the systems, especially for new acts. We already established a solid fanbase before it got really bad, but I can imagine how much more difficult this becomes as this issue grows. I am completely fully against using generative ai in any capacity, it should be used for medical research an the sciences only. To me it’s a complete abomination.

  • Many bands today feel as though they have to be musicians, video producers, content creators, and influencers all at the same time. What’s your perspective on this shift? Has social media become a necessary evil, or do you see it more as an opportunity?

Yeah tell me about it, there’s pros and cons absolutely to this modern age, but the hustle is insane now, the amount of skills I’ve had to pick up just to be a musician is crazy but is that a bad thing? Not for me personally because I’ve always been highly curious and jack of all trades type of person, if I see something my first thought is…I bet I could figure that out…and I do.

However this is not the case with many people so I really feel for artists. I mean when I got into making music it was the 90’s, so none of this was on the table at all, and I’m not sure I would have signed up for this knowing how it would all turned out, but we adapt.

The ability to reach people however is more accessible than ever and that’s the silver lining, many of us understand how critical this is and we do not take it for granted.

My advise is go at your own pace, DIY, don’t spend a bunch of money competing with content creators, post what you want when you want and don’t push too much, you will burn out.

I go weeks without posting all the time. It’s fine. Chasing virality is a trap, it fades, it’s unsustainable, just go steady, make the art and music you want to make and see how it goes, that’s what I do, with zero expectations.

  • Same here… Both of us are deeply rooted in the goth scene, and on the CORLYX TikTok channel you regularly talk about topics within the scene. You also promised me some fashion hot takes.So, which trends in the alternative scene do you think are completely overrated? My personal opinion: this extreme modern trad goth style with elaborate face painting is a bit much for me. I’d never be able to blow my nose without ruining everything.

Haha yes, understandable, I’m not sure how modern trad tuned into what it is on TikTok, I think 1 photo from the Batcave convinced everyone that was Trad, and even that photo doesn’t have all the nose contour.

Most of the alternative makeup trends on TikTok in general come from the Drag community so they should get more credit.

Goths have always just packed on the eyeliner and put some white powder foundation on, with a black lip, but I do appreciate the artistry behind a lot of these makeup trends. So I’m not a hater it’s just not for me personally, I’ve been doing my makeup pretty much the same way since the late 90’s, and I’m not changing just because of TikTok.

My fashion hot take is: if it’s fast fashion it’s no longer alternative, or goth. It’s a corporation selling a stolen aesthetic, and as cute as a lot of the fits are, we just lost the plot. But I do not want to judge either, I understand not everyone can go thrifting and not everyone can DIY, so it’s fine, this topic has been around since the 90’s as well when Hot Topic first opened. It’s definitely not new, but never before have we had this many “Alternative” fast fashion brands and we really need to think about this as a community. I am seeing a lot of very original goth fashion accounts popping up for inspiration, so that’s something people should be interested in I think, the scene is becoming more aware.

  • Has social media brought the goth scene closer together, or has it also taken away some of its magic?

Social Media made the subculture bigger so that’s great for bands and event promoters, that’s the positive, but the goth drama and toxicity is highly out of control, it’s also just annoying. But so are most things online. Subcultures no matter how much we police them will become corrupted online, but at least the irl events and clubs are still incredible, the people are amazing, and for the most part everyone is getting along, meeting new friends and having fun expressing themselves in a safe environment, and like the gay club, that’s extremely important for the oddly inclined people of the world.

  • Finally, what can CORLYX fans look forward to in the near future? Are there any plans or projects you can already talk about?

More music and live shows of course, we have 2 more shows in Germany and 1 last festival appearance at Plague Noire and as I’m typing this out I am also doing a very special collab with an icon of goth music history so that’s insane….details coming soon watch our socials!