Fast jeder kennt die beiläufige Frage: „Wie geht’s?“ Mary And The Sharks antwortet darauf mit dem Debütalbum „I Don’t Wanna Question How I Feel“. Auf den ersten Blick klingt das nach Klarheit und Selbstgewissheit. Die acht Songs erzählen jedoch etwas anderes: von Zweifeln, Unsicherheit, Selbstkritik, Sehnsucht und dem Versuch, die eigenen Gefühle überhaupt erst zu verstehen.
Ihr Debütalbum handelt von Verlangen, Selbstzweifeln und der Suche nach einem Ort, an dem man nicht ständig gegen sich selbst ankämpfen muss. Es ist ein leises Bekenntnis zu emotionaler Ehrlichkeit und zum Mut, Unsicherheit auszuhalten.
Im Mittelpunkt stehen Menschen, die sich selbst nicht ganz verstehen, nach Worten suchen und fürchten, Chancen oder Beziehungen zu verlieren. Dennoch gehen sie weiter. Gerade diese Spannung macht die Texte so nahbar.
Schimmernde Synthesizer, düster-atmosphärische Gitarren und eine Stimme von sanfter Eindringlichkeit formen eine eigenständige Klangwelt zwischen Indie-Rock und Dream Pop. Die Songs wirken sowohl verletzlich als auch kraftvoll, sowie rau und schwebend zugleich. Sie zeigen, wie schwer es sein kann, eigene Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse zu erkennen und auszudrücken. Statt einfacher Antworten bieten sie Raum für Unsicherheit und jene stillen Erkenntnisse, die oft erst in schlaflosen Nächten entstehen.
Der existenzielle Opener „Lost In Translation“ porträtiert einen Menschen, der zwischen Ehrgeiz, Selbstkritik, Verletzlichkeit und dem Wunsch nach Authentizität schwankt. In „I Try. I Try. I Try.“ verbindet Mary Jensen Dringlichkeit mit Verletzlichkeit. Der Song handelt vom beharrlichen Weitermachen trotz Selbstzweifeln und davon, wie viel Mut in diesem Durchhalten liegt.
Im titelgebenden „I Don’t Wanna Question How I Feel“ treffen Intimität, Sehnsucht und Unsicherheit aufeinander. Im Mittelpunkt steht die Entscheidung, den eigenen Gefühlen zu vertrauen, statt sie ständig zu hinterfragen. Der Song lässt Raum für das, was oft am schwersten fällt: Emotionen anzunehmen, ohne sie sofort erklären oder kontrollieren zu müssen.
Mit „She Said I’m A Saint“ gelingt Mary And The Sharks ein zarter Liebessong über Erlösung und Selbstzweifel. Zwischen religiöser Bildsprache und schwebender Melancholie zeigt der Song, wie die Liebe selbst ein schweres Herz wieder leicht machen kann.
Das abschließende „It All Made Sense“ wirkt mit seinem reduzierten Gitarrenriff und dem beinahe intimen Gesang wie der leise Abspann einer langen Nacht. Statt große Antworten zu liefern, findet der Song Trost in stillen Gewissheiten. So hinterlässt das Album die Erkenntnis, dass nicht alles verstanden werden muss, um Sinn zu ergeben.
„I Don’t Wanna Question How I Feel“ ist ein Album voller Zweifel, Sehnsucht und Hoffnung. Die Wahlberlinerin Mary Jensen liefert keine einfachen Antworten. Stattdessen zeichnet sie das Bild von Menschen, die lernen, ihren Gefühlen zu vertrauen, obwohl sie nicht alles verstehen.
Ein Album als Antwort.
Wissenswertes:
- Hinter Mary And The Sharks steht Mary Jensen. Die gebürtige Hamburgerin lebt seit 2017 in Berlin.
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