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Velatine – Whisper Park und Playing With the Orbits (für Bianca Devins)
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Velatine – Whisper Park und Playing With the Orbits (für Bianca Devins)

Das australische Gothic‑/Darkwave‑Duo Velatine, bestehend aus Loki Lockwood und Holly Purnell, ist ein Duo, das sich gefunden hat. Sie meldeten sich mit zwei Veröffentlichungen zurück, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und gerade deshalb zeigen, wie lebendig, kompromisslos und ungebunden dieses Projekt geworden ist. Velatine bewegen sich zwischen Genres, Stimmungen und Ausdrucksformen. Sie sind – wie die frühen Gothic‑Bands – weniger ein Stil als eine Haltung: Dunkelheit als Sprache, Empathie als Kern, Freiheit als Prinzip.

Whisper Park

Nach ihrer letzten offiziellen Veröffentlichung „We’re Not Suburban“ begann für Velatine ein Prozess, der das Projekt grundlegend veränderte. Die Vorbereitung auf ihre Liveshows – ein Schritt, den Holly von Anfang an forciert hatte – wurde zum Katalysator.

Wenn Loki Lockwood heute darüber spricht, klingt es fast wie ein Erwachen: „Die Proben, das gemeinsame Arbeiten, das erste Konzert – all das schweißte die beiden nicht nur zusammen, sondern definierte ihren Sound neu. Schwerer, lauter, dreckiger, mit klaren Anleihen aus Post‑Punk und Industrial.“

„Whisper Park“ ist das beste Beispiel dafür. Dieser Song, wanderte vom Studio über den Proberaum bis auf die Bühne und sammelte unterwegs Schmutz, Energie und Selbstbewusstsein aufs. Ein Stück, das zeigt, wie Velatine klingen, wenn sie sich nicht zurückhalten. Tja, Velatine erlauben sich keine Grenzen.  So ist es. Und der Sound ist das Ergebnis ihrer Verbindung und diese Verbindung ist in stetig Bewegung.

Playing With the Orbits

Wenn „Whisper Park“ die neue Schwere des Duos zeigt, dann ist „Playing With the Orbits“ ein radikaler Gegenentwurf. Dieser Pop‑Song wurde ohne Gitarren, ohne metallische Percussion aufgenommen und ist doch tief im Gothic verwurzelt.

Hierbei stellt sich LiokiLockwood  selbst die Frage: Ist das ein Ausverkauf? Ein Stilbruch? Die Antwort ist so einfach wie konsequent: Velatine folgen keinem Konzept außer dem Song selbst.

„Playing With the Orbits“ wurde vor fünf Jahren geschrieben – ausgelöst durch den Mord an Bianca Devins, einer 17‑jährigen aus Upstate New York.

Bianca war kreativ, intelligent, verletzlich und stark zugleich. Sie suchte online Gemeinschaft, fand aber einen Mann, der sie obsessiv verfolgte, manipulierte und schließlich ermordete. Ihr Tod wurde von „Incel“-Gruppen instrumentalisiert, ihre Bilder verbreitet, ihr Name missbraucht.

Loki Lockwood schreibt: „Der Song sollte ihr gehören. Eine Stimme für jemanden, dem die eigene genommen wurde. Und Hollys Gesang trägt diese Last, die zart, klar, verletzlich ist – aber nie naiv. Die Musik dazu hält sich zurück, lässt Raum, stützt, statt zu verdecken.“

Velatine spielen bewusst mit der Frage, was „gothic“ eigentlich bedeutet. Ist es der Klang? Die Ästhetik? Das Thema?

Oder ist es – wie in der ersten Welle – einfach die radikale Ehrlichkeit, die Weigerung, das Dunkle zu verdrängen?

„Playing With the Orbits“ klingt hell, fast leicht. Doch darunter liegt ein Abgrund. Ein Pop‑Song, der eine Tragödie trägt. Und ein Lied, das Bianca Devins nicht ausbeutet, sondern ihr Raum gibt.

„I don’t even know

Who’s watching me

I’m afraid of the sun

I am a shadow“

Ein Flüstern aus der Zwischenwelt.


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