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2DCAT im Darkflower
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Double Diamonds Dark Diamonds Live-Report

2DCAT im Darkflower

Dass 2DCAT einmal in Deutschland spielen würden, hätte ich mir kaum zu träumen gewagt. Ursprünglich waren sie für das Reborn Festival gebucht – ein weiteres jener Events, die in diesem Sommer den steigenden Spritpreisen und einbrechenden Ticketverkäufen zum Opfer fielen. Ich hatte bereits mit dem Gedanken gespielt, dorthin zu fahren, gerade wegen 2DCAT. Umso größer war die Freude, als das Duo drei Club‑Konzerte in Deutschland gab. Eine Gelegenheit, die man selten bekommt: Wann sieht man schon eine Band wie diese, deren Auftritte hierzulande rar sind wie analoge Synthesizer in einer digitalen und KI‑getriebenen Musiklandschaft, in der man inzwischen nachschlagen muss, ob die Musik überhaupt noch menschlich und „echt“ ist.

2DCAT ist ein Dark‑Synthpop‑Duo aus Washington, D.C., verwurzelt im analogen Synthpop und den modernen Strömungen von Darkwave und Coldwave. Haezl und Johan erschaffen Musik, die melancholisch, filmisch und zugleich magnetisch wirkt. Ihre Songs gleichen kleinen Kapseln aus Einsamkeit und Energie, geeignet für die nächtliche Tanzfläche ebenso wie für jene Momente, in denen man sich im eigenen zuhause zurückzieht und die beschwerte Welt für einen Augenblick draußen lässt.

Ihr Sound basiert auf analoger Schaltungstechnik, markanten Vocals und maschinengetriebenen Rhythmen. Das Duo erschafft Songs, die Präzision und Verletzlichkeit in Balance halten, getragen von Melodie und Wiederholung. Ihre Songs sind eingängig, und die Bridges wirken wie kurze Atemzüge im Diskolicht, in denen die Synths flirren, bevor die nächste Welle aus Rhythmus und Stimme anrollt.

Das Set bot neben eingängigen Songs wie „Frames“, neuen genialen Tracks wie „Eat The Rich“ und Never Enough, dem unveröffentlichten „We’re Here“, einem großartigen „Underground“ und einem hingebungsvollen „Stay With Me“ auch zwei Überraschungen, die den Abend noch stärker aufleuchten ließen: Das Cover von „Touch In The Night“ (Silent Circle) ließ das Publikum abtanzen, während „The Weeping Song“ von Nick Cave & The Bad Seeds die Crowd förmlich in Wassermoleküle auflöste. Für einen Moment schien es, als würden wir alle gemeinsam in einem schaukelnden Boot treiben und den Song feiern, getragen von Heazls Stimme, ihrem ekstatischen Tanz und den flirrenden Synths.

Als sie die Bühne verließen, rief ich laut „One more song!“. Sie kamen fix zurück und gestanden, keine Zugabe vorbereitet zu haben. Haezl schlug vor, das „Touch In The Night“-Cover erneut zu spielen, doch das Publikum war sich einig: „The Weeping Song“ sollte es sein. Und jemand rief, sie könnten auch einfach das ganze Set nochmal spielen. Ich hätte nichts dagegen gehabt – ganz und gar nicht.

Was folgte, war einer dieser seltenen Konzertmomente, die sich in Erinnerung und Körperzellen einbrennen: Heazl strahlte, das Publikum sang den Refrain laut mit. Sie verabschiedeten sich überglücklich und versprachen, noch für Fotos und gemeinsame Zeit am Merch zu bleiben, um auch die Vinyls zu signieren.

Nach dem Konzert mischte sich das Duo unter die Leute. Johan tanzte vergnügt zu „Gottes Tod“ von Das Ich, während ich später mit Haezl über das Nick‑Cave‑Cover sprach. Für sie sind Lyrics essenziell, sagte sie, und Nick Cave bedeute ihr viel. Diese Verbindung war im zweitem Floor spürbar.

Das Publikum war großartig, die Stimmung fantastisch. Natürlich nahm ich eine Farbschnitt Vinyl mit – signiert. In Europa kommt man schwer an ihre Platten, und die Versandkosten aus den USA sind ein Kapitel für sich.

Habe ich mir die Setliste „geklaut“? Na, aber sicherlich. Ich versuche immer, mit einer heimzukehren.


Set:

  • Eat The Rich
  • Frames
  • Touch In The Night
  • Star
  • Falling Down
  • Elegy
  • Salvation
  • OWHT
  • Underground
  • Data Fusion
  • Never Enough
  • Rise As One
  • We’re Here
  • Weeping Song
  • Stay With Me
  • Zugabe: Weeping Song

Wissenswertes:

  • Ihre neue EP „We’re Here“ erscheint am 21.08.2026.

Wertvoller Link:

Live-Fotos im Titelcover: Beatrice M.