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Avril Lavigne – Head Above Water
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Avril Lavigne – Head Above Water

Auf dem Cover zeigt sie sich komplett nackt, zentral wird sie von einer akustischen Gitarre bedeckt und dazu ist sie von Wasser umgeben. Das Cover hat eine Bedeutung für sie und zeigt vorab den Inhalt des neuen Albums, nach sechs Jahren unfreiwilliger Abstinenz.

Auf dem ersten Blick des Covers lässt sich nicht gleich vermuten, dass es sich um ein intimes Album der Lavigne handelt. Vor über sechs Jahren war sie stets auf Konfrontation aus. Der erste Blick sagt aus, dass sie einfach nur sexy ist oder sein will und dass sie sich ebenfalls nackig macht wie viele andere Frauen auch. Genauso, dass es sich um ein Comeback handelt, weil der Künstler mal wieder Geld braucht. Die Texte könnten ebenfalls weithergeholt sein. Selbst wenn sie eine Jeans angehabt hätte, würde sie das sympathisch machen.

Doch so ist es nicht, denn „Head Above Water“, so benannte die taffe Avril Lavigne ihr persönlichstes Werk, was sie je in ihrer musikalischen Karriere aufgenommen hatte, ist kein Comeback, sondern eine Wiedergeburt.

Auf ihrem Account schrieb sie: „[Das Album ist] persönlich, lieb, intim, dramatisch, roh, kraftvoll, stark und unerwartet. Diese Aufzeichnung ist eine echte emotionale Reise.“ Was es auch ist! Ihr sechstes Studioalbum ist sehr balladenreich geworden. Ihr Kampf ist durchaus spürbar.

Der Stil ihrer Musik hat sich verändert wie auch Avril Lavigne selbst, die durch eine schwere Erkrankung viel durchgemacht hatte. Dadurch ist sie erwachsener geworden. Von dem „Hello Kitty Girly“ ist kaum etwas übriggeblieben. Vielleicht kommt das verrückte konfrontative Girly wieder zum Vorschein, sobald mehr Zeit vergeht oder sie, wie viele vor ihr auch, irgendwann einmal durchdrehen wird (kann ja sein). Für den einen kann es auch schwierig sein, diese Wendung zu akzeptieren. Doch, wenn man das Album hört, verinnerlicht und begreift, dann … wird es zu einem Heartbeat, der dieses Album ausmacht. Piano und Bass gehen Hand in Hand gemeinsam mit Lavignes Stimme. Streicher halten Einzug und geben ihrem sechsten Studioalbum eine besondere Note.

Der Song „Head Above Water“, den sie als erstes schrieb, durchströmte sie, als sie nicht mehr wusste, ob sie in dem Moment eines Anfalls sterben würde. Doch sie überstand die Lyme-Krankheit, eine durch Zecken übertragene Infektionskrankheit, die besonders tückisch ist und über Jahre andauert. Der dramatische Opener ist sehr bewegend und beginnt mit einem Pianoeinsatz. Der Song baut sich deutlich auf. Ihr Gebet an Gott und ihr Kampf mit der Krankheit sind einschneidend.

Nachdem Avril endlich wieder Songs schreiben konnte, ließ sie alles raus, was innerlich schmerzte und raus musste. In „Birdie“ singt sie über den Ausweg aus dem Käfig ohne Potenzial auf Befreiung; den Ausweg, endlich fliegen zu können, wie sie sich mit Selbstvertrauen und Kraft aus dem Unkraut einer Beziehung befreite.

In „Dumb Blonde“ kehrt fast ihr „Alter Ego-Sound“ zurück. Hier rechnet sie mit einem Arsch von Freund ab, der sie stets als dummes Blondchen bezeichnete. Es ist echt interessant mitzuerleben, dass auch in der Promiwelt-Beziehung voller Status, Awards, Diamonds und Geld kein Respekt füreinander herrscht. Der Sound erinnert an Stefanies „Hollaback Girl“.

Mit „Warrior“ beendet sie ein ergreifendes Album. Weil ich eine Kriegerin bin, ich kämpfe für mein Leben … Und ich werde nicht aufgeben, ich werde überleben, ich bin eine Kriegerin!

Fazit: Für den einen ist es langweilig, für den anderen ist es gut. Natürlich gibt es Schwachstellen. Aber an sich ist es ein gutes Stück Aufarbeitung. Es ist ehrlich, glaubhaft und frei.

Ich mag das Album sehr. „Birdie“ ist mein Lieblingssong. Es ist oft schwierig, aus einer Drecksbeziehung heraus zu kommen, auch, wenn es sehr schmerzen wird, ist die Freiheit umso schöner.

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