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Ductape – Faded Flowers
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Ductape – Faded Flowers

Ductape stehen im Fieber des Post-Punk und Dark Wave. Das türkische Duo um Çağla (Gesang, Synthesizer) und Furkan (Gitarre, Bass, Schlagzeugprogrammierung) zählt mit seinen eingängig treibenden Rhythmen und türkisch-, wie englischsprachigen Texten zu den gefragtesten Acts der internationalen Post-Punk- und Darkwave-Szene. Und ihre intensiven Live-Auftritte verstärken diese Wirkung zusätzlich. Denn Çağla entlädt sich auf der Bühne wie ein Blitz und zieht das Publikum in ihren Bann, während Furkan mit seiner Gitarre verschmilzt.

Trotz eines Tourplans, der bereits 2025 ziemlich heavy war und sich 2026 entsprechend fortsetzt, bleibt Ductape kreativ. Beim Stella Nomine Festival erzählte das Duo, dass neue Musik auch zwischen den Tourneen stets im Mittelpunkt steht. Diese ungebrochene Kreativität prägt auch ihr aktuelles Album „Faded Flowers“. Kraftvolle Synthesizer treffen auf kühle Basslinien, Çağlas unverwechselbare Stimme auf Furkans beinahe sprechende Gitarre. So entsteht ein zeitloses Album, das tanzbare, beinahe kopfbefreiende Dynamik mit emotionaler Offenheit und tiefer Verletzlichkeit verbindet.

Das Album erzählt über Menschen, die in überfüllten Städten, emotionalen Ruinen und fragmentierten Innenwelten nach dem Sinn suchen und sich dabei zunehmend voneinander entfremden. Inhaltlich hinterfragt es die modernen „falschen Götter“ unserer Zeit und untersucht, was vom Menschen bleibt, wenn diese vermeintlichen Gewissheiten zerbrechen. So entsteht das Porträt einer zerfallenden Ordnung, in der emotionales Überleben zum Widerstand wird.

Somit ist „Faded Flowers“ sowohl ein persönliches Album als auch ein düsterer Kommentar auf eine Welt, die zunehmend ihren Halt verliert. Schon im Opener „Figures“ manifestiert sich dieses Gefühl der Entfremdung. Die Figuren verharren schweigend, die Welt beobachtend und spüren, wie die Zeit verrinnt. Diesem Stillstand steht der wiederkehrende Wunsch nach Freiheit und Aufbruch gegenüber. Der Refrain verstärkt das Gefühl der Loslösung; „let me go“ wirkt dabei rebellisch, hoffnungsvoll und verletzlich zugleich.

Die erste von Ductape veröffentlichte Single „Fine“ und dazu der zweite Song des Albums, stieß weltweit auf äußerst positive Resonanz. Inhaltlich führt er noch tiefer in emotionale Abgründe: Der Text beschreibt einen ungebremsten Fall und eine Person, die am Tiefpunkt ihres Lebens die Kontrolle verloren hat – und diesen Zustand dennoch annimmt.

Der türkischsprachige Titel „Gölgesiz“ verbindet die Muttersprache des Duos mit ihrer typischen Intensität. Trotz Einsamkeit, innerer Lasten und Vergänglichkeit bewahrt das lyrische Ich einen letzten Halt. Der „schattenlose Sturm“ verdichtet dabei Isolation, Verletzlichkeit und Selbstbehauptung.

Einen weiteren Einblick in den dunkleren, verfeinerten Klang gibt „Obscure“. Der intime, sowie apokalyptische Song behandelt Enttäuschung, Bitterkeit und tiefen Verlust. Bilder von erlöschendem Licht, falschen Göttern und zerstörten Lebenszyklen stehen für inneren und äußeren Zusammenbruch. Die Aufforderung, das eigene Leben aus dem sterbendem Feuer neu zu erschaffen, eröffnet dennoch Hoffnung auf Erneuerung und Befreiung.

Inmitten post-punkiger Riffs erhebt sich „Velvet Dawn“ als dunkle, melancholische Hymne, die trotz ihres Trennungsthemas beinahe beschwingt anmutet. Eine düster-schunkelnde Dynamik trägt den Song und transportiert ein Motiv, das sich durch das gesamte Album zieht: das Loslassen. Es geht um eine Beziehung, die endgültig der Vergangenheit angehört. Doch anstelle von Verbitterung überwiegt die Erkenntnis, dass jeder Abschied zugleich den Beginn von etwas Neuem bedeuten kann.

Mit „Burn“ zünden Ductape einen weiteren eingängigen Song des Albums, der unmittelbar in die Beine geht. Hinter der Tanzbarkeit verbirgt sich jedoch eine Geschichte über Versuchung, Begierde und die Konfrontation mit den eigenen Dämonen. Die geheimnisvolle Frau im gelben Kleid erscheint dabei fast wie eine Botin zwischen Realität und Vision. Spätestens bei „Burn with my demons / They call me fire / The devil you fear is your desire“ wird deutlich, dass die größte Gefahr nicht von außen kommt, sondern tief im Inneren lauert.

Das Album schlägt mit „Sad Gravity“ nachdenklichere Töne an. Musikalisch schimmern dabei Einflüsse durch, die dem Stück eine beinahe heimatliche Atmosphäre verleihen. Über den Klängen kreisen die Texte um Fragen nach Heilung, Vergebung und dem Sinn des Daseins. Dabei entsteht eine schwebende Melancholie, die zwischen Hoffnung und Resignation verharrt.

Als Closer zieht Ductape mit „Last Dance“ noch einmal alle emotionalen Fäden des Albums zusammen. Die Gewissheit des Abschieds schwebt über jedem Wort, während die wenigen Zeilen eine erstaunliche Schwere entfalten. In der Gegenüberstellung von Stille und Gewalt spiegelt sich erneut die Zerbrechlichkeit menschlicher Beziehungen wider. Die rückwärts wiederholten Schlusszeilen erschaffen schließlich wie ein Verblassen der Erinnerung, als würde „Faded Flowers“ langsam im Nebel verschwinden.

Dieses wirkungsvolle Finale verwebt noch einmal die Stärken eines Albums, das sich mit Verlust, Loslösung und emotionalem Überleben auseinandersetzt. „Faded Flowers“ lebt von seiner erzählerischen Komplexität und seiner dichten Atmosphäre, in der sich Melancholie, Verletzlichkeit und ein Funken Hoffnung zu einem Klangrausch verbinden, der sich unaufhaltsam unter die Haut gräbt, wie ein gut gelaunter Totengräber auf dem Gottesacker.

***Hach, wie ich es liebe. Dieses geniale Schaffen verblüht nicht, sondern findet seinen Platz in musikalischer Ewigkeit. Man tanzt, während einem gleichzeitig das Herz gebrochen wird. Genau diese widersprüchliche Mischung macht „Faded Flowers“ für mich so besonders.

Foto: Begüm Koçum

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Foto: Begüm Koçum