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Georgie Chapple – Im Interview

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Georgie Chapple – Im Interview

• Hallo Georgie, Danke, dass Du Dir Zeit nimmst. Derzeit leben wir in verrückten Zeiten. Das Jahr brilliert meisterhaft zwischen Niedergeschlagenheit und Kampfgeist. Du gehörst eher zu den Kampfgeistern, richtig?

Hi! Sehr gerne.

Naja, ich versuche es zumindest! Haha… Ich bin allgemein jemand, der versucht das Positive in Situationen zu erkennen und zu suchen. Ich sehe zum Beispiel meine Familie gar nicht so oft und hatte nun die Möglichkeit länger zu Hause zu sein und Zeit mit ihnen zu verbringen. Das heißt aber natürlich nicht, dass ich nicht auch manchmal niedergeschlagen bin. Ich bin selten sehr lange an nur einem Ort.

Ich hatte erst gestern deswegen einen kleinen Gefühlsausbruch, da mir das Touren und Reisen so sehr fehlt und ich mich ziemlich eingesperrt gefühlt habe. Ist aber ja nur menschlich, denke ich.

• Mit „Seconds Minutes Hours“ erschien Deine erste EP, die unglaublich gut ist. Die bereits veröffentlichten Songs sind aus Deinem Leben geschrieben. Wie war die bisherige Resonanz dazu?

Dankeschön! Die Resonanz war überwältigend. Ich habe noch nie so viele Nachrichten zu Songs bekommen, wie bei dieser EP. Das ist ein sehr schönes Gefühl.

• Dieses Prachtexemplar an EP ist sehr kurzweilig. Ich bitte um mehr Songs, liebe Georgie. Meine Repeat-Taste fing an mich nicht mehr zu mögen. Es ist schon legitim, dass Songs nicht einfach-somal ausgespuckt werden können. Doch, wie entsteht bei Dir solch ein radiotaugliches Stück?

Haha, das freut mich! Das ist unterschiedlich bei mir. Manchmal kommt der Text zuerst, manchmal die Musik und dann die Melodie und manchmal steht der ganze Song schon, aber ich habe noch keine Worte für das Stück.

Oft lasse ich den Song auch nochmal reifen und fasse ihn ein paar Tage nicht an und schreibe etwas anderes. Wenn er mir dann immer noch gut gefällt, hat er das Potential richtig aufgenommen zu werden und auch wie du sagst „radiotauglich“ zu sein. Wobei das nie mein Hauptziel ist.

Wenn ich einen Song aufnehme, dann konzentriere ich mich darauf das Bestmögliche aus dem Track rauszuholen. In dem Moment geht es nur darum etwas zu kreieren, was ich selbst auch gut finde und wo ich dahinterstehen kann.

• Apropos: Radio! Deine Songs sind Medien, wie auch Massen sowie Radiotauglich. Bisher konnte ich keinen Deiner Songs aus dem Radio hören und das feiern. Da frage ich mich ernsthaft, woran das liegt? Eine Künstlerin erzählte mir, dass auch dafür bezahlt werden muss.

Puh! Ein sehr großes Thema. Ich versuche es kurz zu halten. Das ist leider richtig. Man muss für eine Bemusterung der Songs von Radiosendern zahlen, sonst hat dein Song so gut wie keine Chance am Radio. Damit macht man die Musik für Radiosender einfach zugänglich, sodass sie den Track nur eingeben und anklicken müssen. Was bei den vielen Anfragen, die sie bekommen, ja Sinn macht.

Allerdings ist es so, dass selbst wenn man das getan hat, das kein Garant dafür ist, dass sie deine Musik dann auch spielen. Dazu sollte man nochmal Geld in die Hand nehmen, um eine umfangreiche Radio Promo zu bezahlen, damit der Song nicht nur einmal gespielt wird und dann untergeht, sondern die Verbreitung deiner Musik eine Zeit lang gezielt immer weiter geht.

Ich kenne ein paar Radiomoderatoren von größeren Sendern persönlich, und weiß daher, wie es dort so zugeht. Es ist mittlerweile auch kein Geheimnis mehr, dass es sogenannte A und B Listen gibt mit Künstlern drauf, die sie spielen müssen. Da bleibt sehr oft kein Platz für einen Newcomer. Nicht mal, wenn man den Moderator kennt. Leider nimmt die Radiovielfalt dadurch auch stetig ab und man hört immer wieder dasselbe auf allen großen Sendern.

Ich schätze daher sehr die Independent Radiosender, die meine Musik rauf und runter spielen und Künstlern wie mir eine Chance geben, gehört zu werden. Denn oft ist das Problem nicht „du bist nicht gut genug“, sondern „es weiß halt keiner, dass es dich gibt“.

All das wird mich aber nicht davon abhalten weiterhin Musik zu veröffentlichen. Ich glaube nach wie vor daran, dass sich gute Musik durchsetzen wird.

• Hast Du bereits weitere Songs für ein Album kreiert? Wird es denn ein Album geben? Erzähl…erzähl…ich bin schon ganz aufgeregt.

Dazu kann ich noch nicht viel preisgeben, vor allem da sich durch die Pandemie einige Planungen geändert haben, aber ja, ich arbeite an einem Album 🙂

• Ich musste neulich an Dich denken, da Du einen Autounfall hattest. Mir wäre es auch fast passiert. Hab mehrfach das „Kreuzzeichen“ hinterher gehändigt. Und dabei komme ich über „Oh Gott“ nicht hinaus. Nur hattest Du wahre körperliche Schmerzen bei Deinem Unfall erleiden müssen. Aber weißt Du was? – Ich bewundere Deine Stärke, dass Du aus solch einer Situation Kreativität schöpfst. Daraus ergab sich dann auch ein tieferer Sinn für „Seconds Minutes Hours“.

Wow. Ich bin gerührt. Danke dir!

Ja absolut! Als ich den Song schrieb, war ich einfach frustriert über das Verhalten mancher Menschen und den damaligen (2019) Zustand unserer Welt. Ich dachte mir: „Es reicht! Ich werde keine Zeit mehr verschwenden. Nicht an negative Leute und auch nicht was unseren Planeten angeht.“

Dann passierte vor den Aufnahmen des Songs „Seconds Minutes Hours“ der Unfall auf dem Weg zum Studio. Ich stieg aus dem Auto und taumelte an den Straßenrand als der Sanitäter mich fragte: „Sind sie verletzt? Wie geht es Ihnen?“ Ich hatte Tränen in den Augen als ich ihm sagte: „Ja, ich denke schon“. Einfach weil mir in dem Moment klar wurde, dass ich lebe.

Am Tag drauf nahmen wir die Stimmen im Studio für „Seconds Minutes Hours“ auf. Und der Titelsong war entschieden.

• Ich würde gerne näheres über „Carlyle Road“ erfahren. An welche Momente erinnert es Dich, wenn Du Dein Lied selbst hörst?
Einer meiner Lieblingssongs der EP.

Ich erinnere mich an meine Kindheit, diese Unbeschwertheit. Den ersten Kuss, den ersten Herzschmerz, das erste Mal betrunken, die dummen Entscheidungen die man dabei trifft … haha…
Der Song gibt mir einfach ein nostalgisches Gefühl.

• „Shadow“ fand ich sehr berührend. Es ist toll, dass Du auch damit Deinen Freunden wie auch Familie dankst. Was waren das für Tiefschläge, wo Du dachtest, dass alles auseinander zu brechen schien?

Das sind teilweise ganz banale Dinge mit denen jeder Mensch zu kämpfen hat, aber eben auch die Tiefschläge einer Musikkarriere. Man muss immer wieder aufstehen. Man bekommt in dieser Branche viel öfter ein NEIN als ein JA. Ein „Nicht interessant genug! Hat sie denn nicht irgendwie eine dramatischere Geschichte zu bieten?!“ als ein „Wow, die Musik finden wir gut, wir wollen mehr wissen!“.

Momente in denen man hinterfragt, ob es die richtige Entscheidung war diesen Weg zu gehen. Doch egal wie man es wendet und dreht, ich komme immer wieder auf den gleichen Punkt. Nichts gibt mir auch nur annähernd das gleiche Gefühl wie Musik zu kreieren, aufzunehmen und live zu spielen. Jetzt aufzuhören, nur weil der große Durchbruch noch nicht kam, ist für mich keine Option. Denn, wie der Songtext sagt „Im Schatten kann nichts wachsen“.

• Du lebst ja wieder in Deutschland. Ich kenne einige, die wieder zurück nach Deutschland kehren mussten, da sie den finanziellen Lebensstand in London nicht mehr halten konnten. Doch keiner wollte zurück. Der ferne „Heimweh“ war die Folge. Was war bei Dir der Auslöser, dass Du zurück bist.

Bei mir war es eher die Frage „Wie soll dein Lebensweg weitergehen?“

Ich war 4 Jahre lang am London College of Music in London Gesangs- und Performance Coach, um neben meiner Musik Geld zu verdienen, und musste daher, als es mit meiner damaligen EP in Deutschland los ging, ständig zwischen England und Deutschland pendeln.

Irgendwann wurde es so schlimm, dass ich Radio Interviews in Deutschland absagen und in England so viele Stunden mit Schülern nachholen musste, dass ich mir sagte, das geht so nicht weiter. Ich konnte weder hier noch dort 100% geben.

Nach einem Gespräch mit meiner Mutter, in dem sie mich fragte: „Was willst du tun? Du musst dich entscheiden. Entweder du bleibst in London und gibst alles als Gesangs-Coach oder du kommst nach Hause, baust auf dem auf, was du hast und gibst deiner Musikkarriere nochmal alles“.

Ich entschied mich für letzteres da ich wusste ich würde es bereuen, wenn ich es nicht täte. Als mein Vermieter dann auch noch sagte, er möchte das Haus, in dem ich zur Miete wohnte, an ein Ehepaar verkaufen, war es besiegelt.

Germany, I’m coming home! 🙂

 

• Du hast den Bachelor in Musik. War es für Dich von Anfang an klar, dass Du selbst Deine eignen Songs schreiben, komponieren und mit Deiner wundervollen Stimme selbst aufnehmen möchtest? Oder kam der Sinn dazu auf einem anderen Weg zu Dir? Also: Wann traf Dich der musikalische Blitz mitten ins Herz?

Das hat sich bei mir von klein auf organisch entwickelt. Ich komme aus einer sehr musikalischen Familie und habe schon immer gerne gesungen und performt. Als ich 13 war, starb mein Opa. Da griff ich das erste Mal zum Stift und schrieb auf wie ich mich fühlte.

Ich denke, da fing es schon an.

• Nun zu meinem Lieblingsthema: Frauen im Musikbusiness. Ich würde gerne Deine Erfahrung wissen wollen.

Dazu könnten wir uns bestimmt Stunden unterhalten. Nächstes Jahr kommt von mir auch ein Podcast zu diesem Thema raus, deshalb halte ich es kurz.

Ich denke man wird oft unterschätzt. Es ist mir schon sehr oft passiert, dass mir jemand das Blaue vom Himmel erzählt und dann erstmal mega geschockt ist, wenn ich ihnen faktisch die Musikindustrie erkläre und meine eigene Meinung preisgebe. Sofort merkst du wie sie denken: „Oh, die kann ja für sich selbst denken und ist nicht auf den Mund gefallen.“ Danach ändert sich die Gesprächs Dynamik meist sofort.

Ich finde dieses Thema hat leider immer noch sehr viel Redebedarf.

• Was würde für Dich im Musikbusiness zu weit gehen bzw. was würdest Du ablehnen? Und wie weit würdest Du gehen, um Deine Ziele zu erreichen?

Da ich ja noch nie bei einem Major Label unter Vertrag stand und eine Independent Künstlerin bin, entscheide ich eigentlich alles rund um meine Musik selbst. Auch visuell. Ich nehme Vorschläge an und wäge ab, ob ich es gut finde oder nicht. Man muss ab und zu damit rechnen, dass man auch mal eine falsche Entscheidung trifft oder eine bestimmte Idee die du abgelehnt hast, zum Erfolg hätte führen können, aber ich bin da ein Fan von „Ok, kann man jetzt nichts machen, weiter geht’s mit dem nächsten Projekt!“.

• Gibt es für Dich eine Künstlerin, zu der Du aufschaust?

Mehrere. Und die ändern sich auch dauernd. Zurzeit liebe ich Kelsea Ballerini, Carly Pearce und Dua Lipa.

• Und nun zum Abschluss meine Lieblingsfrage, die ich bestimmt jeder Künstlerin stellen würde: Welches Buch oder welches Gedicht würdest Du gerne vertonen?

Lili Reinhart hat gerade ein Gedichte Buch veröffentlicht, das ich wunderschön finde. Mit Sicherheit ein Gedicht daraus! Es würde ein romantisches Lied werden 🙂

Danke für das tolle Interview!

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