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Imke Machura – Die RAKETEREI Mentorin im Interview
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Interviews Portrait

Imke Machura – Die RAKETEREI Mentorin im Interview

Imke Machura ist als Bookerin, Promoterin und aktuell als Produkt- und Labelmanagerin seit fast einem Jahrzehnt Teil der Musikbranche. 2017 gründete sie die RAKETEREI – die beliebteste Musikerinnen-Community im deutschsprachigen Raum.

Als Mentorin unterstützt sie die Künstlerinnen dabei, sich eine profitable musikalische Karriere aufzubauen, indem sie sich mit Themen wie dem Finden und Schärfen der Künstlerinnen-Identität, der individuellen Arbeits- und Selbstvermarktungsstruktur, der Positionierung im Musikmarkt, dem Reichweitenaufbau und Wachstum auseinandersetzen. Ziel ist es, die Musikerinnen mit einem unternehmerischen Mindset auszustatten, damit sie sich erfolgreich am Musikmarkt positionieren können.  Die RAKETEREI ist die Räuberleiter für Musikerinnen in die Musikbranche.Für das RAKETEREI Festival & Convention, einer „female in music“- Veranstaltung, fungiert sie nicht als „die klassische Veranstalterin“, wie sie im Interview erzählt. Sondern… – Ja, das und noch vieles mehr dürft ihr gerne selbst Im Interview ergründen. Mein Wissen wurde bereits während des Interviews erweitert. – Eine tolle Frau!

RAKETEREI ist für mich mein beruflicher Traum. Ich arbeite endlich so, wie ich es mir immer gewünscht habe.

Hallo Imke, wir leben noch immer in verrückten Zeiten. Mittlerweile feiert die Pandemie Einjähriges:

  • Was macht die andauernde Krise mit Dir?

Ich fühle mich, als würde ich durch den Düsterwald (Herr der Ringe) laufen. Ich weiß, es wird irgendwann vorbei sein, aber ich empfinde die Situation nicht als leicht. Ich bin manchmal einfach niedergeschlagen, wenn ich sehe, was diese Pandemie aus der Kulturbranche gemacht hat.

 

  • Und wie gehst Du damit um?

Ich habe die Situation, so wie sie ist, akzeptiert. Ich konsumiere bewusst weniger Nachrichten und suche den Austausch mit meinen Freunden. Mir ist es wichtig, trotz allem immer wieder diese Momente zu suchen, die mich zum Lachen bringen.

 

  • Welchen Rat hast Du als Mentorin für andere, während der strangen Zeit standhaft zu bleiben und durchzuhalten?

Ich denke, man sollte nicht versuchen, krampfhaft gegen die Pandemie anzuarbeiten, sondern eher die Chancen der Zeit erkennen und sich z. B. passive Einkommensquellen aufbauen. Die sind dann da, wenn es wieder losgeht. Denn irgendwann wird die Branche wieder hochfahren.

 

  • Vom 26. bis 29. März findet das virtuelle RAKETEREI Festival & Convention, das „female in music“-Festival, statt. Welche Besonderheit(en) gibt es in diesem Jahr?

Neben Konzerten (das sind ja Mitschnitte, die wir extra für das Festival produziert haben) und dem virtuellen Festivalgelände finden in diesem Jahr das erste Mal Workshops sowie Talks statt und als besonderes Highlight wird es eine virtuelle Cocktailbar (gemeinsam mit fritz kola) geben.

Im Rahmen der Workshops beantworten wir z. B. die Top-4-Fragen, die mir seit Jahren gestellt werden:

  • Was muss ich tun, um mit meiner Musik Geld zu verdienen?
  • Wie komme ich an Auftritte ran?
  • Wie kann ich Musik veröffentlichen?
  • Wie finde ich eine Promoterin/einen Promoter?

Hinzu kommt, dass wir den Grundgedanken, der einem Festival bzw. einer Convention zugrunde liegt, ins Internet übersetzt haben. Auf diese Weise wird das Potenzial beider Spielarten vollends genutzt: Wir erleben zum einen eine sehr große Teilhabe aller Beteiligten (Künstlerinnen sowie Musikliebhaber:innen/Besucher:innen), die dadurch entsteht, dass nicht einfach »nur« Konzerte in einem Club ohne Publikum veranstaltet und ins Internet übertragen werden – mit den Künstlerinnen auf der einen und den Musikliebher:innen auf der anderen Seite des Bildschirms–, sondern dadurch, weil jede:r frei darin ist, mitzugestalten oder in den unmittelbaren Austausch zu gehen. Die Grenzen zwischen Künstlerinnen und Festival-Besucher:innen verschwimmen. Dadurch öffnen sich neue individuelle Perspektiven – auf beiden Seiten. Zum anderen machen wir das Festival bzw. die Convention mithilfe des Internets für den gesamten deutschsprachigen Raum verfügbar, weil wir lokal nicht an einen Standort gebunden sind. Alle Beteiligten holen sich das Festival und die Convention als Erlebnis zu sich nach Hause.

 

  • Auf was freust Du Dich speziell und sagst „Hey, das müsst ihr euch anhören und sehen!“

Ich finde die Musikerinnen alle ziemlich cool! Ich denke, gerade die von mir zusammengestellte Mischung macht es aus.

 

  • Wie legt sich die Corona-Krise auf das Festival aus?

Das Tolle bei dem Festival und der Convention ist, dass wir durch das Event schaffen, diesem Corona-Trübsal mal für ein Wochenende zu entkommen. Wir haben es im letzten Jahr nicht glauben wollen, aber es ist möglich, auch online/virtuell durch die Kraft der Gemeinschaft in Festivalstimmung zu kommen.

 

  • Wie hast Du die Frauen für dieses Festival entdeckt und in die Rakete eingeladen?

Ich habe das Festival und die 15 Slots, die ich vergeben konnte, intern in der Community ausgeschrieben und die Musikerinnen haben die Möglichkeit bekommen, sich zu bewerben. Ich möchte mir diesem Festival die Vielfalt der Community zeigen. Denn das Besondere ist, dass in unserer Gemeinschaft nicht nur ein Genre vertreten ist, sondern dass wir hier genreübergreifend miteinander kommunizieren, voneinander lernen und dadurch das Potenzial entsteht, die eigene Stilrichtung zu revolutionieren.

 

  • Wie wählst Du aus?

Ich habe die Musikerinnen ausgewählt, die als Gesamtpaket klanglich für ein Gesamtergebnis sorgen. Followerzahlen waren mir dabei z. B. total egal.

 

  • Was ist Dir wichtig?

Mir ist wichtig, dass die Musikerinnen Lust haben, gemeinsam ein großes Event auf die Beine zu stellen und wir alle an einem Strang ziehen. Ich habe hier nicht die Rolle einer „klassischen“ Veranstalterin. Ich bin Mentorin und unterstütze die Musikerinnen dabei, sich zu erarbeiten, wie man online auf ein Event aufmerksam machen kann. Das Festival ist unsere gemeinsame Plattform dafür.

 

  • Wie lange hast Du gebraucht, um RAKETEREI Festival & Convention zu arrangieren?

2020 haben wir das Festival das erste Mal veranstaltet. Wir hatten den ersten Lockdown vor der Brust und dem wollten wir mit dem Festival etwas entgegensetzen. Es war ja für uns alle das erste Mal, eine Pandemie mit begleitendem Lockdown erleben zu müssen. Wir hatten dadurch 10 Tage Zeit, um das Festival aufzuziehen. 5 Tage, um die Strukturen zu schaffen und 5 Tage, um Tickets zu verkaufen. In diesem Jahr hatten wir mehr Zeit für Vorbereitungen, aber einen Lockdown haben wir nun wieder vor uns.

 

Zur RAKETEREI:

  • Im Jahre 2017 hast Du Deine Rakete gestartet, um explizit Musikerinnen auf ihren Wegen zu unterstützen. Gab es einen prägenden Moment „Frauen im Musikbusiness“ ein Netzwerk somit auch Hilfestellungen und den daraus resultierenden Halt zu geben?

 

Ich habe angefangen, mich mit Geldflüssen in der Musikbranche zu beschäftigen. Ich wollte herausfinden, was genau man machen muss, um Geld zu verdienen. Dann habe ich gesehen, dass an den Punkten, an denen Geld verdient werden kann, fast nur männliche Musiker sichtbar waren. Das hat mich gestört, haben Frauen doch ohnehin so viele Gaps zu schließen. Also bin ich ihre Räuberleiter und unterstütze sie dabei, sich die Strukturen aufzubauen, die zu Sichtbarkeit und Umsatz führen.

 

  • Du hast dazu Deinen eigenen „RAKETEREI“ Podcast. Wann führte Dich der Ruf mit Deiner Stimme online zu gehen, Seminare zu geben und auch Themen anzusprechen, die nicht nur Menschen im Musikbusiness hilf- und lehrreich sind. Viele Deiner Podcast strahlen einen „AHA-Effekt“ aus.

Ich war u. a. Pressesprecherin für ein großes Kulturfestival und wurde ins Radio eingeladen. Eigentlich sollte mein Chef in der Rolle als Pressesprecher das Interview geben, aber seine Frau rief an und er musste die Kinder übernehmen. Ich bin dann eingesprungen und als ich die Radiokabine betrat und das rote Licht (on air) anging, wusste ich, hier bin ich richtig. Und als mir dann im Laufe meiner Arbeit bewusst wurde, wie viel Wissen ich rund um die Musikbranche und Vermarktungsstrukturen habe, dachte ich, ich gebe mein Wissen weiter. An diesem Punkt habe ich dann meinen Podcast gelauncht und die Liebe zum Radio mit meinem Wissen/meinen Erfahrungen verknüpft.

 

  • Für was steht die RAKETEREI in Deinem Leben, und was bedeutet es Dir? Unter anderem stellt sich mir die Frage, ob Dich Dein Label verletzlich macht?

RAKETEREI ist für mich mein beruflicher Traum. Ich arbeite endlich so, wie ich es mir immer gewünscht habe. Ob es mich verletzlich macht? Nein. Ich trenne sehr klar zwischen meinem Business und der privaten Imke.

 

  • Als Du angefangen hast, die ersten Flammen im Musikbusiness lodern zu lassen, um dann auch das Triebwerk für Dein eigenes Ding zu schaffen, bist Du auch gegen Mauern gerannt oder hast Dich verbrannt?  

Eigentlich nicht. Ich halte mich mit so etwas auch nicht lange auf. Ich versuche, mich immer auf das zu fokussieren, was mich voranbringt. Ich habe keine Lust, Energie in Ärger, Konkurrenz oder Neid zu stecken.

 

  • Du bist seit fast einem Jahrzehnt als Bookerin, Promoterin, Produkt- und Label-Managerin Teil der Musikbranche. Gib es eine Geschichte, die Du heute noch gerne erzählst?

Ich war schon immer sehr musikaffin, aber kann nicht singen oder ein Instrument spielen. Ich habe noch studiert (1 Jahr vor dem Masterabschluss) und nebenbei beim Fernsehen gearbeitet, bevor ich in die Musikbranche kam. Aber beim Fernsehen zu arbeiten, hat mich gelangweilt. Am Ende war es ein Seminar an der Uni und damit die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Hip-Hop, das mir bewusst machte: „Ach, in der Musikbranche kann man auch als Nicht-Musikerin arbeiten?“ Da fiel der Groschen, ich habe meinen Nebenjob beim TV geschmissen und bin in die Musikbranche abgebogen.

 

  • Was hast Du als Chefin für Dich selbst gelernt und bist darüber sehr dankbar?

Chefin zu sein ist nicht einfach. Ich habe selbst auch eine Mentorin an meiner Seite, bilde mich nonstop weiter und habe gelernt, dass man nie auslernt, man nie fertig ist und man immer bereit sein muss, sich selbst und sein Handeln zu hinterfragen.

 

  • Da Du Musikerinnen auf ihrem Weg unterstützt: Welche drei Eigenschaften MUSS eine Musikerin aufweisen, um in der Musikindustrie bestehen zu können?

Gute Frage!

1) Sie muss es wirklich wollen. Also wirklich wollen!

2) Sie muss bereits sein zu investieren und mutig sein, auch mal solche Wege zu gehen, die vielleicht nicht jede in der Musikbranche geht.

3) Sie sollte sich als Unternehmerin wahrnehmen und keine Angst/Abneigung vor Vermarktung haben.

Niemand wartet auf uns. Wirklich, niemand. Das ist schade und traurig, aber birgt auch jede Menge Chancen. Denn so wird die Welt zu einer Spielweise, die wir für uns nutzen können.

 

  • Hattest Du schon mit arroganten Musikerinnen zu tun gehabt und denen auch gesagt, dass „Hochmut nicht guttut“?

Hahaha, nein. Mit dieser Art von Musikerinnen würde ich auch nicht arbeiten.

 

  • In einem Interview mit einer Künstlerin aus Amerika (noch nicht online) bin ich auf das Imposter Syndrom gestoßen. Wie würdest Du Musikerinnen helfen, bei denen sich dieses Syndrom aufzeigt?

Ja, das Imposter- oder auch Hochstapler-Syndrom. Ich habe den Eindruck, dass das etwas ist, wogegen wir Deutschen all diese Zertifikate entwickelt haben. Habe ein Zertifikat, irgendeinen Wisch oder einen besonderen Abschluss, dann kannst du nachweisen, dass du es würdig bist, irgendetwas anzubieten. Ich denke, und so gehe ich auch mit den Künstlerinnen an das Thema heran, dass Erfolgserlebnisse wichtig sind, um den Glauben an sich selbst und an das eigene Können zu festigen. Ich unterstütze Musikerinnen dabei, Erfolge zu erzielen, nachhaltige Erfolge, die zu Umsatz führen.

 

  • Bist Du auch mal radikal ehrlich zu einer Musikerin?

Ja. Aber liebevoll ehrlich. Anders geht es nicht.

 

  • Gibt es eine Musikerin, die Dich fasziniert? Wer ist also Deine Nummer 1 im Plattenschrank?

Oh je, das ist mir sehr unangenehm, aber seit meinem Teenageralter verfolge ich das Leben von Britney Spears. Ich habe eine heimliche Pop-Liebe. Sonst besteht meine Musiksammlung eher aus elektronischer Musik.

 

  • Was hältst Du als Mentorin von Castingshows?

Diese Castingshow halten eine schwierige Lüge am Leben, nämlich die Lüge, als Musikerin entdeckt zu werden. Es werden durchaus Künstler:innen entdeckt, aber das ist bei den wenigsten der Fall. Darauf sollte man nicht hoffen, wenn man eine ernsthafte Karriere aufbauen möchte.

 

  • Und zum Schluss: Welche Literatur kannst Du empfehlen?

Ich lese aktuell „Shantaram“ von Gregory D. Roberts – MEEEGA BUCH! Basiert auf einer wahren Geschichte.

 

Herzlichen Dank für das Interview und meine Hochachtung für Deine Stimme!


Wertvolle Links:

Homepage: https://www.raketerei.com/

Facebook: https://www.facebook.com/raketerei/

Alles zum Festival:

Raketerei female in music Festival

 

Foto: Annemone Taake

 

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