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Rasha Nahas – Desert

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Rezensionen

Rasha Nahas – Desert

Berlin, die Stadt der kreativen Köpfe und die Wahlheimat vieler Künstler:innen. Auch folgende originelle Künstlerin mit palästinensischen Wurzeln ist nunmehr in der Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland heimisch geworden – Rasha Nahas. Ihre Musik ist Kunst, wie auch sie selbst ein kunstvolles Bildnis repräsentiert, welches Anmut und Exklusivität ausstrahlt. Das obliegt u.a. auch der Theater-Welt, in der sie verankert ist.

Ihr Debüt Album „Desert“ ist im Art-Jazz Gewand gekleidet und eine Verkörperung ihrer nachdenklichen Federkraft. Dieses führt eine Aufzeichnung der musikalischen Struktur eines Reise-Konstrukts ihrer mutigen Fußstapfen auf, die von Palästina nach Deutschland führen.

Rasha Nahas erschafft aufgrund des musischen, politischen sowie poetischen Hintergrundes, den das Album verkörpert, ein tiefgründiges Werk. Sie bettet ihr eigenes Wesen hinein, spickt es mit politischen Themen sowie der Suche nach sich selbst und bündelt all dies in Poesie. Auch Rasha Nahas trägt ihre Geschichte mit sich und präsentiert diese in ihrem unverwüstlichen Gepäckstück. Damit führt sie uns durch die Wüste, wo wir vom Trugbild der Fata Morgana getäuscht werden.  Wir spüren die Hitze, die Last und die Sehnsucht nach der Quelle, wohin es sie durstet.

Dieses verzerrte Album ist eine Ansammlung von Momenten, in denen Dinge aus der Tiefe an die Oberfläche steigen, wie kleine Fluten. Es ist eine komplexe Collage aus ausladenden, dramatischen Gesten und abstrakten Texten, bis hin zu sehr persönlichen, intimen und filterlosen musikalischen Äußerungen. Es repräsentiert sowohl die Leere der Leere als auch die Komplexität dazwischen. Seite an Seite transportiert es die Gefühle der Sehnsucht und die Idee, zu sich selbst oder zu etwas Größerem zu gehören.

Die in der Luft schwebenden Gitarren sowie heulenden Saiten wurden zwischen den unterschiedlichen Konturen des Jazz wie auch mit brachialem Flair ineinander verknüpft. Die tiefgründigen Geschichten befeuern das Album. „Desert“ enthält auflehnende Stücke, balladeske Liebeslieder und charakterisierte Erzählungen. Doch auf synchrone Töne fixierte sich Rasha Nahas nicht und entschied sich für ein experimentelles Werk mit hohem Anspruch, worin sie ihre Gedanken wiegen und der Theatralik freien Lauf lassen konnte.

Einen enormen Fokus vermag sie auf das politische Geschehen zu richten. Dass Israel auf dem Album von Bedeutung ist, ist selbstredend. Es ist ein Auftürmen der Gedanken, die aufgetürmt werden mussten, um gedanklich frei zu werden. Verdeutlicht wird dies mit dem Video zu „Desert“, das Kinder mit Waffen zeigt; einen Tänzer, der an einem Olivenbaum gekreuzigt wird und es zeigt alte Gebäude und welche aus modernem Glase. Es erörtert Abneigung, markiert Trauer und Ehrlichkeit.

Diesen Song schrieb sie mit blutendem Herzen. Es muss auch sehr schwer sein, sein Heimatland zu verlassen und die Tragik mitanzusehen. Das Stück weist einen ernsthaften Blick auf, indem ein Hochzeitslied für die Braut zwischen Leid und Liebe, Trümmern und Neubau gesungen wird.

„The Clown“ ist ein Song, indem es u.a. um einen Clown geht, der niemand zum Lachen bringen kann. Und auch um Worte eines Pfarrers, die schemenhaft an einem vorbeiziehen, wobei es wie einem Rauschen im Ohr gleicht. Da die ängstliche Besorgnis stärker ist als alle versuchten, gar tröstenden Worte, die einen umgeben, weil der Krieg näherkommt.

Mit „Ashes“ legt sich ein Schleier über das weinende Auge. Fast dem Wahnsinn verfallend, befindet sich die Liebende zuhause, gibt ihre Liebe schweren Herzens frei und hält dennoch die Tür geöffnet, damit der Abdankende weiterhin Fußstapfen auf seiner Asche hinterlässt.

Auch eine verrückte Katzenlady enthält Einzug auf diesem Werk, und auch Leonard Cohens „Lover, Lover, Lover“ gibt sie ihren eigenen Touch. Dieser Song sticht wiederum auf dem Album heraus, da die musikalische Untermalung symmetrisch und ausbalanciert ist.

Das Album ist die Brücke, die die Kluft zwischen dem Theatralischen und dem Persönlichen, zwischen Metapher und roher Geschichten überbrückt. Es inszeniert zahllose Zweideutigkeiten von Gefühlen, die sich im Gegensatz zueinander definieren und gedeihen, wie bei Ankunft und Aufbruch, Verzerrung und Klarheit, Zweifel und Gewissheit.

***Für Menschen, die sich nach Leichtigkeit sehnen, wird dieses Album zu schwermütig sein. Es ist ein intellektuelles Album, welches sich zum Tee/Kaffee eignet, um darüber zu sprechen.

 

 

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