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Barska and The Factory – Im Interview mit Leaderin Barska
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Barska and The Factory – Im Interview mit Leaderin Barska

Barska and the Factory ist eine sieben-köpfige Frauenband aus München, die ihren Musikstil als melancholischen Indie-Folk/Pop bezeichnen. Das Kollektiv entstand als Leaderin Barbara Buchberger (aka Barska, Babsi) eine Band suchte und eine ausdrucksstarke Symbiose aus Multiinstrumentalisten und Gesängen gefunden hat. Ich sprach mit Leaderin Barbara über ihre Musik, the Voice, Amita und über die sieben Empowermentinnen auf einen Streich.

  • Hi, herzlichen Dank, dass du dir die Zeit für meine Fragen nimmst. Wie kam es dazu, dass Du nach Voice eine komplette Frauenband suchtest? – Und wie wir sehen, mit Barska & The Factory gefunden hast.

Babsi: Schon während der Zusammenarbeit mit Julez, meiner Duettpartnerin bei the Voice, war mir klar, dass ich mit Frauen auf der Bühne stehen möchte. Ich wusste, dass eine Zusammenarbeit mit Frauen noch intensiver werden würde, weil wir dann doch einfach oft ähnlich fühlen, denken und kommunizieren. Wenn man sich auch ein wenig mehr mit dem Thema „Frauen in der Musik“ befasst, wird man schnell aufmerksam auf die mangelnde Teilhabe von Frauen auf Bühnen, Musikfestivals etc. Das finde ich ehrlich gesagt sehr sehr traurig.

  • Ich war überrascht, dass Julez nicht mit dabei ist, obwohl ihr beide als Barska & Julez als Newcomer Duo in Erscheinung getreten seid. Wollte sie nicht, wolltet ihr nicht? Was ist passiert, dass es kein Duo gibt? Oder rückte das gemeinsame Musik-machen erstmal in den Hintergrund?

Babsi: Julez war in der Anfangszeit Teil der Band. Schnell hat sie für sich gemerkt, dass es noch nicht die richtige Zeit für sie ist in der musikalischen Realitätswelt einzusteigen. The Voice war zwar ein kleiner Einblick in das Da-Sein eines Musikers/einer Musikerin, eine eigene Band jedoch zu haben und langfristig gesehen zu werden, bedeutet allerdings viel mehr Schweiß, Tränen und Durchhaltevermögen, als es The Voice abverlangt hat. Wir sind dennoch superdicke und werden das Songwriting zu zweit im Hobby-Rahmen und als Freundinnen weiter fortführen.

  • Eine Musikerin erzählte mir, dass „The Voice“ ihr keine Türen öffnete, aber dafür „Inas Nacht“. Ich denke, eine Musikerin wird etwas bekannter, aber nicht so überdimensional bekannt werden wie vielleicht gewünscht, außer mit viel harter Arbeit, Publikationen, Promotion und `ner Menge Geld. Ich gebe zu, dass ich mir solche Formate wie „The Voice“ etc. nicht anschaue. Hat dir das Format etwas gebracht? Öffnete es Türen?

Babsi: Ehrlich gesagt hatte ich mich selbst nie bei The Voice gesehen. Ich hatte eine Zeitlang einen Plattendeal bei Pro7 als „About Barbara“ und wusste eigentlich, dass der Einstieg in die musikalische Fernsehwelt nicht wirklich meins sein würde. Julez hingegen hatte immer den Traum dort teilzunehmen, also habe ich uns einfach dort angemeldet und sie damit überrascht. Kurz nach der Show bekamen wir schon einen ziemlich fetten Hype. Zweit Produzenten schrieben uns an, auch ein Management kam auf uns zu. Leider war das Ganze von kurzer Dauer. Aufträge erhielten wir nicht wirklich dadurch. Außerdem hatte unser Duo danach nicht mehr wirklich bestand, weil ich unbedingt eine eigene Band gründen und damit erfolgreich sein wollte. Das war immer mein Traum gewesen. The Voice hat mir insofern was gebracht, als dass ich mich danach dafür entschieden hatte, den musikalischen Berufsweg einzuschlagen und nochmal alles zu geben. Aber deine Frage würde ich tatsächlich eher mit „Nein“ als mit „Ja“ beantworten.

  • Barska & The Factory = Sieben auf einem Streich! – Das muss man erstmal unter eine Haube bekommen. Genauer die Balance im Beruf, Privat, das musikalische Vergnügen zu halten. Verlangt das Bandleben euch eigentlich einiges ab oder ist alles im grünen Bereich?

Babsi: Tatsächlich ist das gar nicht so easy. Mir war es trotzdem immer wichtiger einen fetten Sound mit Live-Instrumenten und vielen Gesängen (wir sind teilweise 5-stimmig unterwegs) auf die Bühne zu bringen, als dem Stress zu entgehen. Auch war mir wichtig, mit motivierten, engagierten Musikerinnen zu arbeiten. Außerdem habe ich meinen Beruf nach der Musik gewählt und bin als freie Mitarbeiterin bei einem Unternehmen namens „Mein-Mutiger-Weg“ tätig. Dementsprechend lege ich mir alles so, dass es für mich möglich ist die Band in Stand zu halten. Wir sind innerhalb der Band auch grad dabei Aufgaben zu verteilen. Außerdem haben wir eine Förderng der Initative für Musik bekommen, was die ganze Band nochmal pushed, Gas zu geben und Arbeit zu investieren. Meine Mädels sind super – echt krass, dass das so hinhaut!

  • Was sind eure verrücktesten Leidenschaften? Was zeichnet aus deiner Sicht jede Musikerin der Factory aus?

Babsi: Das mit den Leidenschaften ist grad noch superschwer zu definieren. Wir kennen uns alle tatsächlich erst seit ein paar Monaten. Ich kann aber so viel sagen: Wir sind alle krass unterschiedlich! Die meisten von uns haben an der Jazz School in München studiert, unserer Drummerin und ich sind eher so die ungelernten intuitiven Musikerinnen. Was unsere Charaktere angeht ist das auch auf der Bühne zu sehen. Ich bin eher so die Laberbacke – Klassiker als Frontfrau – wohingegen beispielsweise unsere Drummerin keine Miene verzieht. Jeder ist so individuell und unterschiedlich, dennoch leben wir auf der Bühne in einer Welt, die uns krass verbindet und im Moment performen lässt. Das ist einfach mega.

  • Gerne würde ich näheres über die EP wissen wollen. Diese wurde auch „recht schnell“ auferlegt. Zudem empfinde ich das Album als ein jazziges Werk, welches ebenfalls in einen Salon passt, mit runden Tischen und Lampenschirme. Bist Du mit der EP zufrieden und schon da, wo Du hinmöchtest, oder bietet das Kollektiv noch viel Raum für instrumentale und musische Kreationen?

Babsi: Erstmal zum Titel: Amita bedeutet Grenzenlosigkeit. Damit ist gemeint, dass wir als Band grenzenlos sind, grenzenlos in unserer Kreativität, in unserer Entwicklung, als Frauen in der Musik und in unserem Sound. Ich denke, dass der Sound der EP deshalb sehr vielfältig geworden ist – wir lieben akustische Vibes, viele von uns kommen aber auch aus dem Jazz. Wir stehen eben noch ganz am Anfang. Ich denke, dass da noch enorm viel Luft nach oben ist und dass wir noch einiges zu bieten haben. Dementsprechend wird sich unser Sound das nächste halbe Jahr auch noch sehr entwickeln. Die EP wie es sie aktuell gibt, besteht primär aus Songs – von mir geschrieben und mit der Band ausarrangiert. Wir wollen jedoch, dass die Kreativität aller im Sound Teil sein darf und wir einen Stil finden. Aktuell entwickelt sich auch schon ein neuer Sound und wir haben auch schon eine Vorstellung, wohin dieser gehen sollte. Es wird sphärisch, melancholisch und eine Mischung aus elektronischen und akustischen Vibes bekommen. Wir wollen unseren akustischen Sound, den wir als große Band ohnehin auf die Bühne bringen, mit elektronischen Elementen vereinen. Dazu haben wir auch schon einen sehr guten Produzenten im Blick.

  • Als ich „Lion“ zum ersten Mal hörte, wusste ich sofort, dass dieses Stück einst von Loriia geschrieben wurde. Dieses Lied umgibt einen besonderen, zeitlosen Zauber. Habt ihr gemeinsam nach Songs gesucht, die bereits in die Welt gelassen worden sind, um denen ein neues Gewand zu schneidern?

Babsi: Das ist das Tolle an Barska and the Factory. Wir sind ein Musikerinnenkollektiv. Es soll nicht nur um mich gehen, auch die anderen sollen Platz in der Band und in der Musik von Barska and the Factory finden. Ich möchte ein musikalisches Werk kreieren, bei dem wir als Musikerinnen uns ALLE zu Hause fühlen können. Ich liebe Lion und konnte ihn mir aufgrund seines Zaubers, den du eben schon erwähnt hast, sehr sehr gut in der EP vorstellen. Ich bin Lotte (=Loriia) dafür auch unglaublich dankbar.

  • „Bones“ ist ebenso ein Stück, welches von Dir und Julez als Duo geschrieben und für die EP neu aufgenommen wurde. Der Grund war bestimmt der Selbige wie bei Loriias „Lion“?

Babsi: Ehrlich gesagt war mir von Anfang an klar, dass ich mit meiner Band, die ich gründe, Singer-Songwriter warme Lagerfeuer-Vibes, als auch melancholische, sphärische Vibes verbinden möchte. Dafür lebe ich einfach. Bones hat mir damals beim Songwriting Tränen und Gänsehaut beschert, für mich war keine Frage, dass ich diesen mit meiner künftigen Band aufnehmen und live performen möchte.

  • „Footprints“ besitzt das Flair einer gemeinsamen Zeit am Lagerfeuer und „Last Train“ einen sinnlichen Touch. Gerne möchte ich Näheres zu diesen beiden Songs durchleuchten wollen.

Babsi: „Footprints“ erzählt von der Liebe zum Reisen, zu sich selbst und der immer wiederkehrenden Erinnerung an einen geliebten Menschen. Ehrlich gesagt habe ich den Song geschrieben, als ich Reisen war und mir ständig dachte, wie schön es doch ist alleine zu sein. An gewissen Spots in der Natur kamen Erinnerungen an eine bestimmte Person meines Lebens auf und ich bekam Sehnsucht nach ihr und nach den gemeinsamen Momenten, die wir nicht teilen konnten. Wenn ich den Song höre, katapultiert er mich immer wieder in diese Situation. Mir ist es wichtig, dass der Gefühl Wärme transportiert und den Leuten zeigt, wie schön doch Erinnerungen sein können. „Last Train“ versprüht vermutlich einen ähnlichen Vibe und Wärme, da er auch von einer ähnlichen Thematik handelt. Nicht ganz so wehmutig, dennoch aber transportiert er Wärme und lädt dazu sein, loslassen zu wollen. Ich habe im Laufe meines Lebens immer wieder gemerkt, wie wichtig es doch ist in gewissen Momenten loszulassen, weniger zu denken, und einfach zu machen. Auf sein Herz zu hören und den Kopf auszuschalten.

  • Gibt es einen Song, der dir oder auch der Factory besonders viel bedeutet?

Babsi: „Footprints“ und „Bones“ sind eindeutig meine Herzensstücke der EP. Der generelle Favorit der Band ist denke ich Insecurities. Aus dem haben wir meiner Meinung nach musikalisch als auch dynamisch noch einiges rausgeholt.

  • Würdet ihr auch einen Chartsong bzw. ein bekannteres Lied covern und aufnehmen? Wenn ja, na klar, möchte ich auch wissen, welches die Ehrung erhalten würde.

Babsi: ARETHA FRANKLIN – CHAIN OF FOOLS. Würde man nicht erwarten, aber mehr Stimmen, Soul und Frauenpower geht nicht <3 Ps.: Wir haben ihn bereits schon einige Male live performed. Viel zu geil.

  • Welche Tür sollte nun für eure gemeinsame Zukunft geöffnet werden? Was wünscht ihr euch?

Babsi: Unser Wunsch wäre es mit unserem Album, welches nächstes Jahr im Frühjahr erscheinen soll, auf Tour zu gehen. Am liebsten natürlich mit einem Team, Deutschlandweit – irgendwann europaweit? 🙂 Wir wollen, dass die Menschen unsere Songs mitsingen können und diese rauf und runter hören! Und zwar nicht aus dem Grund, weil ich im Fernsehen war und mir damit bei dem ein oder anderen einen Namen gemacht hab – nein, weil die Texte und Musik ihnen guttun und sie sich damit identifizieren können. Weil sie ihnen vielleicht auch in gewissen Momenten Verständnis für ihre Gefühle geben. Außerdem wollen wir ein Statement setzen, dass es viel zu wenig Frauen auf Bühnen gibt. Wir wollen zeigen, dass wir es genauso draufhaben und es im Jahre 2022 langsam mal an der Zeit sein sollte, die Frau in der Musik mehr zu etablieren und zu schätzen.

***Danke für das Interview


Barska and the Factory sind:

  • Barska #Barbara Buchberger #Babsi – Leadgesang
  • Lola – Gitarre
  • Lotte #Loriia – Klavier, Gesang
  • Elisa Wallis – Cello, Gesang
  • Lisa – Drumrhythmik
  • Kristina – Geige, Gesang
  • Loni – Bass, Gesang, Trompete

Wertvolle Links:

Die tollen Fotos sind von: Anna Stangl