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Die Supererbin – How To Ruin Your Life
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Die Supererbin – How To Ruin Your Life

Die Supererbin kann man als cooles, zugleich spitzzüngiges und trash-glam‘iges Tüpfeltalent beschreiben, die lange im Internet lebte, bevor sie nach Berlin gezogen ist. Dabei stammte sie ursprünglich aus einem Bundesland im Südwesten Deutschland.

Erstmals trat sie 2018 in Erscheinung, als sie von den phänomenalen Grether-Schwestern aus dem Berghain Darkroom auf die Bühne der Berghain Kantine verfrachtet wurde. Sie absolvierte einige Auftritte, bei denen unter anderen auch Drangsal und Torsun Burkhardt (Egotronic) spielten.

Irgendwann, zumindest in diesem Leben, erschuf sie ein YouTube Programm, welches sie „Supergraben“ taufte. Dieser ist ein golddiamantener Kanal, worin Die Supererbin Künstler:innen interviewt, Acts live vorstellt und sich auch selbst zum Glänzen bringt. Ihre bisherigen veröffentlichten Sendungen sind in keiner Weise langweilig, sondern informativ, lustig und additiv farbpigmentiert. Hervorgerufen wurde das Format aus einer Laune heraus, als sich YouTube-Kanäle größerer Beliebtheit erfreuten. Somit überlegte sich Leonie Scholl aka „Die Supererbin“ ein Interview-Projekt, wo sich Künstler:innen und Kulturschaffende im plüschigen ausstaffierten Bühnengraben treffen können.

Natürlich treibt Die Supererbin des „Supergrabens“ ihr kunterbuntes, auserlesenes Wesen hauptsächlich mit elektronischer „Emo-Pop-Art“ Musik nebst konstruktiven Texten, like: Ich mach‘ mir die Welt / Widdewidde wie sie mir gefällt… Und dabei holt sie dich im Badebassin mit einem flamingo‘ischen Wasserspielzeug ab, reicht dir ein alkoholisches Kaltgetränk, und setzt dir ihre mitreißenden Impulse straight ins Hirn.

Thematisch behandelt sie auf „How To Ruin Your Life“ all das, was ihr als Mittzwanzigerin in Berlin so widerfahren ist: Gentrifizierung („Sehr, sehr schön“ feat. Torsun von Egotronic), Clubkultur („Nie wieder ins Berghain“), Online-Leben („Google Mich“), und natürlich viele gebrochene Herzen („I Gave You A Home“). Aber auch der Wegzug aus einer Kleinstadt („Niemals aus der Stadt“), toxische Beziehungen („Alleine sein“ feat. Lius) und Feminismus („Männertränen“) werden zur Sprache gebracht.

Ihre Lyrik ist im alternierenden deutsch- wie auch englischsprachigen Vergnügen aufgebaut, wobei ihre Refrains meist englischsprachig sind. In der zweiten Single-Auskopplung des Albums ist dies hörbar. In „Swipe Me Away“ geht es um digitale Liebe in Zeiten von Free Online Dating wie Tinder, Instagram und ähnlichem. Visuell wird die düstere Synthpop-Nummer von der britischen Visual-3D-Künstlerin Post.Liang untermalt, die neben dem Singlecover auch das Musikvideo im Vaporwave-Stil gestaltet hat. In Song und Video wird die schiere Endlosschleife der virtuellen Jagd nach Liebe symbolisiert, die mitunter Konsum und Selbstaufgabe mit sich trägt.

Eine herzeleidige Abfeiernummer ist der widersprüchliche Song „Nur für den Fall“. Das Animationsvideo zeigt sie als pinkes Comicfigürchen. Hierbei geht es um unerwiderte Liebe, wo dennoch erwartungsvoll die Tür offen gelassen wird. Nur für den Fall, dass er wiederkommen möchte. Es sei denn, er verliebt sich neu, dann braucht er nicht zurückzukommen! Das Gemeine an der Story ist, dass das Gegenüber sich so verhält, als wäre nichts gewesen. Dennoch wird – nur für den Fall – die Tür offen gelassen. – Herzschmerz pur!

Mit dem „How To Ruin Your Life“- Cocktail zeigt Die Supererbin, wie das Leben am besten ruiniert werden kann, nur mit dem Hinweis, DAS gekonnt ZU feiern! Das Kopfkino wird in dem Album schon deutlich, doch ist es seit jeher ratsam es auszuhalten, durchzuhalten und dabei Musik anzuschalten. Man kann auch das Wiehern des Lebens sehr gut mit diesem Album überspielen, überspulen und das Ganze einfach feiern. Nicht nur die Höhen dürfen gefeiert werden, auch die Tiefen wollen bespaßt werden!

Mit ihrem Debüt „How To Ruin Your Life“ beschert Die Supererbin der Welt ein durchaus passables Album. – Scherz! Es ist super geworden. Denn wenn einmal gehört, wird es schwer sich in Hör-Verzicht zu üben!


Foto: Tereza Mundilova

Wertvolle Links:

Homepage: www.die-supererbin.de

Facebook: www.facebook.com/Supererbin

Instagram: www.instagram.com/supererbin

 

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