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Eivør – Segl

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Nordic Diamonds Rezensionen

Eivør – Segl

Eivør zählt seit zwei Jahrzehnten mit zu den schöpferischsten und einflussreichsten Frauen im Musikbusiness. Obendrein ist sie eine Inspiration für andere Künstler*innen. Ihre musikalischen Kreationen sind spannend, sphärisch sowie währen ewig. Durch ihre erzeugten Schöpfungen ist jedes Album eine Metamorphose, somit ein Schmuckstück.

„Man muss seine Segel in den unendlichen Wind stellen – dann erst werden wir spüren, zu welcher Fahrt wir fähig sind.“ (Alfred Delp 1907 – 1945, deutscher Jesuit und Widerstandskämpfer)

Dieses Zitat von Alfred Delp passt perfekt in Eivørs Gedankenwelt und der Idee hinter „Segl“.

„Dieses Album handelt sehr stark von der Reise eines Menschen, der auf dem Meer des Lebens schwimmt. Die Themen reflektieren sowohl über das, was im Innern als auch im Äußeren geschieht. Es geht um Veränderung, Wahlmöglichkeiten, Mut, Liebe, Träume und so weiter.“, erzählte Eivør im Interview mit Female Voices.

Sie wählte den Titel „Segl“, was übersetzt „Segel“ bedeutet (wie auf einem Segelboot), weil sie fand, dass es ein schönes symbolisches Bild ist, welches alle Themen des Albums umfasst. „Auf Ihrer Reise können Sie die Segel hissen, aber Sie können den Wind nicht kontrollieren. Gleichzeitig ist der Wind das Einzige, was Sie vorwärtsbringt, also brauchen Sie Mut, darauf zu vertrauen, dass Sie in die richtige Richtung gehen.“, so Eivør.

Der zweite Song des Albums „Let It Come“ handelt von Unsicherheit und Mut. Und „Sleep On It“ – ist ein Lied über Schlaflosigkeit und schwierige Entscheidungen. Eivør wählte diesen beiden Songs zur Pre-Release aus, weil sie immer das Gefühl hatte, dass sie irgendwie zusammengehören. Obwohl die Geschichten aus zwei leicht unterschiedlichen Perspektiven erzählen, drehen sich beide um die Idee, nicht zu wissen, was vor einem liegt und darum, wie man in diesem Chaos der Ungewissheit seine Ruhe findet. Es mag wie ein Kampf in einem Menschen erscheinen, da es als eine Person dargestellt wird, die darum kämpft, ihren/seinen Weg zu finden, aber es geht es dabei auch sehr stark um die Welt und die Zeit, in der wir leben.

„Nothing To Fear“ ist eine Ballade, die bedeutet, jemanden trotz seiner Fehler so zu lieben, wie er ist. Manchmal lassen einen die Fehler von jemandem dazu bringen, ihn noch mehr zu lieben. Sie schrieb diesen Song zusammen mit dem in LA ansässigen Produzenten Jimmy Harry, der auch Songs mit Pop-Diven wie Britney Spears schrieb.

„Truth“ ist auch balladenhafter Song, der nicht wundervoller geschrieben und besungen werden könnte. Das Stück handelt von der Suche nach Licht in einer dunklen Welt. Es dreht sich um das Thema Zusammengehörigkeit und darum, dass vielleicht „ein Fremder in den Straßen“ ein Begleiter in der Dunkelheit sein könnte.

„Stirdur Saknur“ ist eine minimalistische Beschreibung der Sehnsucht nach jemandem, der schon so lange fort ist, und die Erinnerung an diese Person beginnt sich in den Wellen der Zeit aufzulösen. Der Verlust selbst ist in Ihrem Herzen kalt geworden. Aber er ist immer noch da sowie die Sehnsucht nach dem Schmerz des Gefühls. Das Letzte, was Sie verlieren, ist der Stachel des Verlustes.

„Gullspunnin“ bedeutet übersetzt „in Gold eingehüllt“. Hierbei ist das Thema Einsamkeit zu finden. „Wenn man lange genug einsam ist, kokonisiert sich die Seele irgendwie selbst, vielleicht um das zu schützen, was man tief im Inneren ist. Der Gedanke ist auf der einen Seite natürlich traurig, aber es steckt auch eine Schönheit darin. Die Seele ist einsam – und trotzdem glänzt sie. Darin liegt eine gewisse Zerbrechlichkeit und doch auch eine ungeheure Kraft.

Mit ihrem neuen Album „Segl“ erzeugt sie eine Stimmung, die kraftvoll und intensiv, aber auch friedvoll und hymnisch ist. Das zeitlose „Segl“ wird neben ihrer wundervollen, lieblichen und glasklaren Stimme von einem federleichten, elektronischen Sound angeführt, dem in seiner schwingenden Geschmeidigkeit nichts nachsteht. Dieses Schmuckstück hebt ein dynamisches und intensives Kontrastprogramm zwischen Glückseligkeit und Traurigkeit sowohl als auch die Zerbrechlichkeit und die dennoch vorhandene Kraft hervor.

Um noch einmal das Zitat von Alfred Delp aufzugreifen: Man muss seine Segel in den endlosen Wind setzen – nur dann werden wir spüren, zu welcher Art von Segeln wir fähig sind.

***Dieser Diamant sollte ich keiner Plattensammlung fehlen!

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