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Niis – Play Niis
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Niis – Play Niis

Manchmal besteht der größte Mut nicht darin, zu schreien oder aus der eigenen Überforderung heraus andere anzugreifen. Wirklich mutig ist es, sich trotz aller Enttäuschungen die Fähigkeit zu bewahren, Freude zu empfinden. Auch Niis (ausgesprochen „Nice“) aus Los Angeles lassen sich nicht lähmen. Entstanden in einer Zeit von Herzschmerz, Umbrüchen und persönlichen Veränderungen, spiegeln die sechs Songs die Suche nach Halt, Freude und zwischenmenschlicher Nähe wider.

„In vielen Songs auf diesem Album geht es darum, sich der gesellschaftlichen Monotonie anzupassen“, erklärt Mimi Doe. „Wir vergessen, uns selbst an die erste Stelle zu setzen, indem wir Dinge tun, die uns Freude bereiten und bei denen wir etwas – oder überhaupt etwas – empfinden. Und genau das wollte ich mit den Texten unbedingt einfangen.“

Der Opener „Bad Aim“ hat etwas Befreiendes. Dahinter verbirgt sich eine scharfe Abrechnung mit Manipulation, Machtspielen und emotionaler Vereinnahmung. Immer wieder richtet sich das lyrische Ich an eine Person, die kontrollieren, kleinhalten und verunsichern will, deren Angriffe jedoch ins Leere laufen. Aus dem Text von „Bad Aim“ spricht jemand, der Verletzlichkeit zulässt, ohne an Energie oder Biss einzubüßen. Die Message ist verständlich: Du kannst auf mich zielen, aber du bestimmst nicht mehr, wer ich bin.

Es heißt immer, der ach so tolle amerikanische Traum verspreche Wohlstand, Freiheit und Erfolg …bla bla… Am Arsch! Definitiv hält „Big Fish Baby“ dieser Vorstellung einen Spiegel vor. Mimi Doe schrieb den Song, nachdem sie ihren Job verloren hatte. Statt in Panik zu verfallen, beschloss sie, dem Universum zu vertrauen und sich auf die Dinge zu konzentrieren, die ihr guttun. Dabei richtet sich der Blick auf eine Gesellschaft, in der Menschen kaum noch Zeit für Freude haben, ständig unter Druck stehen und oft vergessen, was ihnen wirklich etwas bedeutet. „Big Fish Baby“ erinnert daran, dass wahre Erfüllung nicht in Statussymbolen oder Massenkonsum zu finden ist, sondern in den Dingen, die uns Freude bereiten und mit anderen Menschen verbinden.

In „Earthquakes“ wächst die Unruhe weiter. Der Song wirkt wie ein Aufbegehren gegen Stillstand und Gleichgültigkeit. Statt nach Sicherheit zu suchen, verlangt Niis nach Erschütterung, Risiko und Intensität. Die „Earthquakes“ stehen dabei für jene Momente, die uns aus der Komfortzone reißen und daran erinnern, dass wir noch lebendig sind. Unter der rauen Oberfläche verbirgt sich die Sehnsucht nach einem Leben, das nicht nur funktioniert, sondern wirklich gefühlt wird.

Nach den inneren Erschütterungen von „Earthquakes“ folgt mit „No Flowers“ ein Moment schonungsloser Ehrlichkeit. Der Song erzählt von einer Verbindung, die von Nähe und Distanz gleichermaßen geprägt ist. Immer wieder versucht das lyrische Ich, auf den anderen Menschen zuzugehen, doch zwischen unausgesprochenen Gedanken und emotionalem Rückzug bleibt eine schmerzhafte Leere bestehen. Besonders die wiederkehrende Zeile „I just wanna feel alive“ offenbart dabei eine tiefe Sehnsucht nach Nähe, Verständnis und Lebendigkeit. „No Flowers“ handelt von dem Wunsch, trotz aller Enttäuschungen nicht abzustumpfen und sich die Fähigkeit zum Fühlen zu bewahren.

Mit „Westside“ öffnet sich am Ende eine Tür hinaus aus dem Chaos. Während die vorherigen Songs von Enttäuschungen, gesellschaftlichem Druck und der Sehnsucht erzählen, überhaupt noch etwas zu fühlen, genügt hier die Gegenwart eines anderen Menschen. Die „Westside“ wird zu einem Sehnsuchtsort, an dem für einen Augenblick alles einfacher erscheint. So endet die EP mit einer Erinnerung daran, dass echte Verbindung oft der sicherste Zufluchtsort ist.

Bereits das Cover von „Play Niis“ spiegelt diese Gegensätze wider. Zwischen Nietengürtel und zarten Details entsteht ein Bild, das gleichermaßen Verletzlichkeit und Selbstbehauptung ausstrahlt. Ganz ähnlich leben auch die Songs von diesen Spannungen. Mimi Does Stimme wirkt über weite Strecken zart, fein und beinahe lieblich. Umso eindringlicher sind die Momente, in denen sie sich die angestauten Gefühle regelrecht aus der Seele schreit. Gerade dieser Wechsel zwischen Verletzlichkeit und Wucht verleiht den Songs ihre besondere Intensität und macht Wut, Sehnsucht, Hoffnung und Lebensfreude gleichermaßen greifbar.

„Play Niis“ ist der Soundtrack für all jene, die nicht abstumpfen wollen und sich trotz Chaos im Kopf und Enttäuschungen weigern, das Schöne aus den Augen zu verlieren.

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