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TORI AMOS – NATIVE INVADER (2017)

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Female Treasure

TORI AMOS – NATIVE INVADER (2017)

Eingebettet im Farbnebel steht sie umgeben in der Landschaft des Waldes. Ihre Körperhaltung ist demonstrativ. Maskenhaft und hart wirkt ihr Gesicht. Die Bilder der Natur ziehen sich über das gesamte Booklet hindurch. Nicht nur die Schönheit zeigt sich auf, auch die erdgeschichtlichen sowie politischen Katastrophen, die auf die Messer schließen könnten. Die inszenierten Messer deuten auf den Schmerz hin. In dem Booklet legte sie ihr Bewusstsein mit dreizehn kryptisch-epischen Stücken zum Nachlesen offen. Die Bilder dazu sind düster und trübsinnig.

„Native Invader“ ist durchaus kein Album des Schmerzes. Tori Amos erklärte, dass es im Leben den Schock von unerwarteten Bränden, Überschwemmungen, Erdbeben oder anderen erdgeschichtlichen Verwüstungen geben kann – sowohl innerhalb als auch außerhalb des Verstandes.

Das Naturreich, die Medien und persönliche Motive gaben ihr die Inspiration zu „Native Invader“, welches durch einen Ausflug durch North Carolina und Tennessee entstand. Tori Amos betrachtete ihre Umgebung, die Urkraft der Natur und des Menschen in ihr höchst sorgfältig. Sie erforschte u.a. die Beziehung des Menschen zur (und die Zerstörung der) Erde. Den Medien wurde ebenso Beachtung geschenkt, die sie jedoch eher bestürzten und erstarren ließen.

Sie sah auch, wie die Landschaft sich generierte und wie diese sich selbst neu erfand. Die Blätter fallen ab und später entstehen wieder Knospen. Natur ist Heilung, ein Regenerator, die oft durch den unbewussten Menschen zerstört wird. Ebenso fand sie die Erkenntnis, wie darin Tod und Wiedergeburt Seite an Seite stehen. Sie wünschte sich sehr, dass der Mensch so handeln würde, wie es die Natur vorzeigt. Denn die Natur arbeitet zusammen; es ist ein stetiges Geben und Neben.

Hinter „Native Invader“ steckt auch ein politisches Konzept, wie es u.a. in „Broken Arrow“ zu hören ist. Denn während sie das Album schuf, war die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten ein großes Thema. Eine geistig unfähige trump’sche Gestalt wurde gewählt und nach meiner Ansicht, obwohl ich das Land nicht kenne, beleidigt er das Ansehen Amerikas. Ich habe noch immer Meryl Streeps Worte im Ohr, die ihn mit ihrer Golden-Globes-Rede heftig kritisierte.

Das Album erschien im September 2017 und die Musik dazu ist gegenwärtig genauso aktuell wie im Jahre 2017. Konfliktbewältigung und die damalige griechische Depression zeigen das Album auf. Momentan ist das griechische Flüchtlingslager Moria ein erschütterndes, präsentes Problem, welches unbedingt gelöst werden muss. (Und ich finde es toll, wie Leipziger Organisationen zu Spenden aufrufen.)

Tori Amos kombiniert nicht nur die beschriebenen Thematiken des Albums miteinander, sondern auch Emotionale und Persönliche, wie „Mary’s Eyes“. Sie „verarbeitet“ darin den schweren Schlaganfall von ihrer Mutter, die dadurch halbseitig gelähmt ist und die Fähigkeit zu sprechen verloren hat. 2019 ist ihre Mutter, Mary Amos, im Alter von 90 Jahren verstorben. Sie hatten eine sehr enge Bindung zueinander.

„Wings“ ist ein Song, der mir gleich ins Ohr ging. Hierbei wird die Verwundbarkeit wie auch die Verletzlichkeit der Männer verdeutlicht. Auch unsere Männer dürfen weinen.

Mit „Native Invader“ schuf sie eines ihrer expressivsten Werke, die sie je selbst produzierte. Die klavierlastigen Lieder und kryptische Lyrik sind durchaus schwierig zu verstehen. Aber, das macht Tori Amos in ihrer Einzigartigkeit aus. Tori Amos ist bekannt für ihre Lyrik und dass die Zeilen dazwischen gelesen werden sollten. In unübertrefflicher Amos-Diktion sind all ihre Songs, die sie produzierte einzigartig und mit Melodien ausgestattet, die meiner Meinung nach nur sie und Kate Bush schaffen können.

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